''Verdammt glücklich'': Aretha Franklin bleibt die Queen of Soul

- New York - "Hey, Leute", begrüßt Aretha Franklin ihr Publikum in der Radio City Music Hall in New York. "Ich bin so verdammt glücklich, und ihr werdet es auch bald sein!" Dass sie recht behalten wird, zeigt schon die Antwort aus dem Saal. "Yeah!" ruft das Publikum wie mit einer einzigen gewaltigen Stimme. Die Leute stehen und klatschen, wackeln mit ihren Schultern und Hüften im Rhythmus der Soul-Musik. Zum Hinsetzen kommen sie an diesem Abend nur selten.

 <P>Wer Zweifel hatte, dass Aretha Franklin auch mit nunmehr 61 Jahren einen riesigen Saal in Verzückung bringen kann, wurde von Anfang an eines Besseren belehrt. Die Königin des Soul denkt gar nicht daran, ihren Thron für jüngere frei zu machen. Zwar hatte sie seit ihrem Hitparaden-Stürmer "A Rose Is Still A Rose" fünf Jahre lang kein Album mit neuem Material veröffentlicht. Aber was lange währt, wird gut - jedenfalls, wenn eine Frau wie diese daran arbeitet.</P><P>Gut ist sie auf jeden Fall geworden, die neue Franklin-CD "So Damn Happy", die jetzt auch in Deutschland in den Handel gekommen ist. Aber ist sie auch sehr gut, wie man das von einer Queen erwarten darf? Da hatten US-Kritiker so ihre Zweifel. Das Magazin "Rolling Stone" schrieb, die neue Platte lasse die "HipHop-Energie" der letzten vermissen. Zu der hatten Franklin einige Jungstars wie Lauryn Hill und Puff Daddy verholfen, die für "A Rose Is Still A Rose" mehrere Titel mit ihr einspielten. "So Damn Happy", so beklagte das Magazin, sei dagegen in der Rhythmus-Abteilung vergleichsweise schwach.</P><P>Die Fairness gebietet es aber, Franklins neue Platte als das zu nehmen, was sie sein soll: Ein melodisches, gefühlvolles Album, das die Höhen des Glücks einer erfüllten Liebe feiert, ohne die Tiefen zu verschweigen, die enttäuschte Erwartungen mit sich bringen. "Auf diesem Album erzähle ich vom Leben, wie es ist", sagt Franklin.</P><P>Sie sagt es so majestätisch, dass Widerspruch kaum möglich ist. Auch der Titel - frei übersetzt "So verdammt glücklich" - kann als Aufforderung verstanden werden. Ihr nachzukommen fällt nicht schwer. Die von Königin Aretha ausgewählten Songs - zwei hat sie zusammen mit Mary J. Blige geschrieben und eingespielt - sind großteils musikalische Botschaften der Hoffnung, verpackt als Kuschel-Soul.</P><P>Aber zu kuschelig kann es bei Franklin nie werden. Nicht bei dieser Mezzo-Sopran-Stimme, die mal zauberhafte Höhen wie Whitney Houston in ihren besten Tagen bietet, dann wieder schmeichelt wie Mariah Carey - auch in deren längst vergangenen Zeiten - und dann wieder schrill wird wie die legendäre Rockröhre Janis Joplin. All das und noch mehr bringt die Soul-Königin, die mit 14 ihre erste Single aufnahm, seitdem mit 20 Superhits die R&B-Charts dominierte und 17 Grammys gewann, immer noch spielend zusammen.</P>

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