Miroslava Yordanova fesselte als Azucena in Verdis „Der Troubadour“ das Publikum zum Auftakt des 16. Opernfestivals auf Gut Immling. Foto: Gut immling

Verdi siegt auf ganzer Linie

Halfing - Während Deutschland im EM-Viertelfinale gegen Griechenland siegt eröffnet das Immlinger Opernfestival. „Der Troubadour“ stand am Freitagabend auf dem Programm - hier siegte Verdi.

Azucenas flammende Töne waren kaum verklungen, da wartete auf das Immlinger Opernpublikum schon das nächste (Natur-)Schauspiel: Während die Sonne feuerrot hinter den Wiesen des Chiemgaus versank, zerriss ein lauter Freudenschrei die Luft: Deutschland schoss - mitten in der Opernpause - sein erstes Tor gegen Griechenland. Da freuten sich auch die Musikfreunde auf Gut Immling, wo am Freitag das 16. Opernfestival mit Verdis „Troubadour“ eröffnet wurde. Den deutschen Sieg feierte das Publikum beim Schlussapplaus gleich mit, als Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock das 4:2 anzeigte.

Denn nicht nur auf dem Fußballfeld, auch auf Oberbayerns „Grünem Hügel“ hatte - wie Intendant Ludwig Baumann betonte - ein „Mannschaftsspiel“ mit 250 Mitwirkenden die Zuschauer in Bann geschlagen. Verdi siegte auf ganzer Linie: Seine Arien, seine Chöre - von den engagierten Chiemgauer Laiensängern rhythmisch präzis intoniert und mit Herzblut getränkt - reißen mit und rücken die krude Schauergeschichte um das verbrannte Zigeunerkind und den verwechselten Grafensohn ins Abseits. Die Musik transportiert große Gefühle: Liebe und Eifersucht, Rache und Rebellion, Verrat und Vergebung. Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock heizte mit dem Immlinger Hausorchester, den wohlgelaunten Münchner Symphonikern, das melodramatische Geschehen effektsicher auf.

„Gib mir fünf gute Sänger und ich mache eine gute Oper.“ Intendant Baumann zitierte dieses, vor allem bei Verdi erfolgreiche Rezept, wohlwissend, dass sein „Troubadour“-Ensemble sich hören lassen konnte: Allen voran Miroslava Yordanova, die mit dunkel-glühender Leuchtkraft eine tiefensichere Azucena sang und das Publikum fesselte. Auch Kirill Brochaninov ließ als Ferrando mit profundem Bass aufhorchen. Mit markantem Bariton gab Kyung Chun Kim dem Grafen Luna finsteres Profil, während Mario Zhang als sein unerkannter Bruder und Rivale Manrico mit seinem individuell gefärbten, (noch) nicht immer ganz auf Linie geführten Tenor punktete. Bis hin zum späten Hit „Di quella pira“ (Lodern zum Himmel), der heftig beklatscht wurde. Jana Dolezilková stattete ihre Leonora in der Mittellage mit oft ausdrucksvollen Kantilenen aus, irritierte aber mit schriller und nie wirklich erreichter Höhe. In der kleinen Rolle der Inez machte María José Rodríguez gute Figur. Inez war diesmal nicht Dienerin, sondern Garderobière.

Denn Regisseurin Verena von Kerssenbrock misstraute der verworrenen Story und stülpte eine nicht wirklich erhellende darüber, in der sie Leonora zur Diva mit blonder Perücke stilisierte. Auch ihre Idee, aus den Zigeunerinnen einen eifrig staubwischenden Putzfrauen-Trupp (von Wiebke Horn bunt ausstaffiert) in Lunas Schloss zu machen, wirkte albern statt erhellend. Mit den als Lemuren immer wieder auftauchenden, verstorbenen Rache-Schürern - Lunas Vater und Azucenas Mutter samt verbranntem Enkel - hielt auch noch Psychologisches Einzug ins Schauer-Geschehen und streifte die Kitschgrenze: Kind mit Teddy in rotem Licht...

Ansonsten überzeugte der von der Regisseurin und Bühnenbildner Claus Hipp gestaltete, schlichte Einheitsraum. Eine kreisrunde, schräge Scheibe in der Mitte taugt als Bühne, Altar (mit schönem Lichterkreuz), Gäste-Tisch (mit servierenden Chiemgau-Bunnies!), Hochzeitsbett und Gefangenen-Käfig. Ebenso wandelbar bietet das hölzerne Halbrund dahinter mitsamt Galerie und Treppen genügend Platz für die Auftritte der Solisten und der aktiven Chorsänger. Am Ende erfüllte großer Jubel für die gesamte Mannschaft die Immlinger Reithalle.

Von Gabriele Luster

Nächste Vorstellungen am 29. Juni, 1., 14., 22. Juli; Telefon 0 80 55/ 90 340.

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