Vereinsamte Masken

- Das Leben ist absurder als jede Realität, man muss nur den richtigen Blick dafür haben. Ein einsamer Hund vor der Theaterbühne, eine alte Autokarosserie in Italiens Straßen, ein halb kostümierter Jongleur zwischen Zeltvorhängen - das sind Momentaufnahmen, die Klischees und den schönen Schein sprengen und seltsam surreal, verloren wirken.

<P>Vladimir Vinski (1946- 1985) beobachtete und inszenierte solche Mikrokosmen in licht- und schattenüberflutetem Schwarz-Weiß. Seine Fotografien sind eigenwillige Stadtbilder, die mit einfachsten Mitteln das Aberwitzige des Alltags festhalten. Mit rund 40 Abzügen und 100 Farbdias wird in der kleinen Galerie des Fotomuseums München des gebürtigen Jugoslawen und Wahlmünchners gedacht.<BR><BR>Die Auswahl (Kuratorin: Katja Roßocha) aus dem Nachlass, der dem Stadtmuseum gestiftet wurde, beschränkt sich auf die Jahre 1980 bis '85: "Life - Stranger than Fiction" zeigt Vinskis Vorliebe für ästhetische Klarheit und als Kontrapunkt die vielschichtige Bedeutung von Maskeraden und Kostüm. In einigen Bildern ahnt man Vinskis frühere Tätigkeit als Modefotograf. Er ließ sich 1978 in München nieder und verschrieb sich zwei Jahre später der freien, künstlerischen Fotografie. Einen Einblick ins Münchner Treiben geben skurrile Ausschnitte vom Oktoberfest.<BR><BR>Ab 1980 entstanden Architekturbilder, die - abgesehen von schönen Lichtstimmungen - wieder die Elemente Werbung, Graffiti und Plakat aufnehmen. Vinski spielt mit Wahrnehmungsebenen, mit Realem und Vorgegaukeltem. Ein brüchiges Verhältnis zur Wirklichkeit vermitteln auch Venedigs vereinsamte Karnevalsmasken. Amerikanische Weihnachtsdekoration und Lichterketten auf Dia zeigen, was man von Reisen, von Städten und Menschen mitnimmt: einen vordergründigen Eindruck, der ziemlich ins Schwarze trifft.<BR><BR>Bis 15. Juni. Telefon 089/ 23 32 29 48.<BR></P>

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