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Zarte Bande: Baumeister Tom Builder (Rufus Sewell) verliebt sich in die vogelfreie Ellen, gespielt von Natalia Wörner.

Verfilmung von "Die Säulen der Erde": Kingsbridge bei Budapest

München - Millionen von Lesern in aller Welt fesselte Ken Follett mit seinem historischen Roman „Die Säulen der Erde", erschienen 1990. Nun präsentiert Sat.1 die fiktive Geschichte um den Bau einer Kathedrale im mittelalterlichen England als vierteiligen Fernsehfilm.

Plötzlich bekam sie es mit der Angst zu tun. Es war der erste Drehtag, im Juni vergangenen Jahres. Die Münchner Filmproduzentin Rola Bauer stand am Set für das millionenschwere Fernsehspektakel „Die Säulen der Erde“ nach dem Roman von Ken Follett. Seine im Mittelalter spielende Saga über den Bau einer Kathedrale, den aufrechten Tom Builder, Liebe und Gottesfurcht, machthungrige Adelige und gierige Kirchenmänner hat schon über 14 Millionen Leser gefesselt.

Auch Rola Bauer glaubte fest an das Projekt. Jetzt aber wurde es ernst, und die Ungewissheit kroch allmählich in ihr hoch. „Wir spielen hier Roulette“, dachte sie. Doch das Spiel, mit umgerechnet rund 29 Millionen Euro Einsatz, sollte sie gewinnen. Nicht weniger als 110 Tage lang drehte das 350 Mann starke Filmteam in Ungarn und Österreich, mehr als 80 Schauspieler standen vor den Kameras, dazu etwa 6000 Statisten. Regie führte Sergio Mimica-Gezzan, der schon für Steven Spielberg und Roland Emmerich als zweiter Regisseur gearbeitet hat.

„Wir sind alle wirklich stolz“, sagt Rola Bauer heute. Die meiste Zeit der Dreharbeiten war sie dabei. Ihre Firma Tandem Communications, die an der Münchner Sonnenstraße ihren Sitz hat, war federführend bei dem Projekt, unterstützt von Ridley und Tony Scott und deren Firma.

Bei den „Säulen der Erde“ mitzuwirken, habe viele im Team besonders angespornt. Schwarze Schafe und Schweine mit langen Borsten, wie sie damals verbreitet waren, hat der Tierbetreuer mitgebracht: „Und unser Bühnenbildner in Ungarn hat einen richtigen Webstuhl wie im 12. Jahrhundert gebaut.“ Die Kathedrale musste am Set nur bis zu einer Höhe von sieben Metern gemauert werden. Der Rest entstand im Computer.

Begeistert zeigte sich der Erfinder der Saga, Ken Follett (61). Er hat zwei Mal die Kulissen besucht. „Die Leute hier fragen mich, ob ich zufrieden bin“, sagte er. Das fiktive Örtchen Kingsbridge war am Rand von Budapest entstanden. „Natürlich finde ich es toll“, sagte Follett: „Ich habe es mir erträumt, und jetzt ist es real.“

Ab Montagabend zeigt Sat 1 „Die Säulen der Erde“ in vier Teilen wöchentlich jeweils um 20.15 Uhr. Sie nehmen die Zuschauer mit ins England des 12. Jahrhunderts. Dort tobt nach dem Tod von König Heinrich I. ein Erbfolgekrieg, inmitten dessen der Steinmetz Tom Builder (Rufus Sewell) vom Bau einer nie dagewesenen Kathedrale träumt und seine Freunde und Feinde in blutige Intrigen verstrickt werden.

An Tom Builders Seite steht Prior Philipp (Matthew Macfadyen), aber auch die rebellische Heilkundige Ellen, gespielt von der Deutschen Natalia Wörner. Erbittert bekämpft sie Bischof Waleran (Ian McShane), der, von Habgier getrieben, Intrigen spinnt. Auch Götz Otto ist dabei, der in Hollywood schon einige Finsterlinge verkörpert hat.

Hollywood-Legende Donald Sutherland („Mash“) spielt den Grafen von Shiring, der seine Treue zur Tochter Heinrichs, Matilda, mit dem Leben bezahlt. Zwischen seiner Tochter Aliena (Hayley Atwell) und Jack (Eddie Redmayne), Ellens Sohn und Toms rechter Hand, aber wächst eine Liebe, die alle Stürme übersteht - wie die Kathedrale von Kingsbridge. Auch Ken Follett hat im letzten Teil einen Auftritt. „Ich habe ihn gefragt, ob er Lust hätte, eine kleine Rolle zu übernehmen“, erzählt Rola Bauer. Für ihn wurde eine komplett neue Figur ins Drehbuch geschrieben. Jack findet ihn in Frankreich - er ist ein alter Freund seines Vaters. Sein Wissen hilft, dem Ränkespiel von Bischof Waleran ein Ende zu setzen.

Den über 1000 Seiten dicken Wälzer von Ken Follett hat John Pielmeier auf ein Drehbuch für acht Stunden Film eingedampft. „Ken Follett hat uns großes Vertrauen entgegengebracht“, sagt Rola Bauer. Sie hätten ihm das Buch geschickt und mit ihm darüber gesprochen. Aber er habe sie im Grunde ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen lassen.

Was die deutschen Zuschauer von dem Ergebnis halten, zeigt sich an den nächsten vier Montagen auf Sat 1. In England, wo die Miniserie schon angelaufen ist, erreichte die erste Folge mehr als zwei Millionen Zuschauer - doppelt so viele wie sonst auf dem Sendeplatz. Für Rola Bauers Firma hat sich die Arbeit schon jetzt ausgezahlt. „Die Serie ist in 172 Länder verkauft worden“, sagte sie bei einer Pressevorführung des Mammutepos in Berlin. Die fast 29 Millionen Euro Produktionskosten seien schon längst wieder eingespielt.

Autor Follett ist bereits mit der nächsten Produktion beschäftigt, weil das ZDF nach „Eisfieber“ im vergangenen Winter jetzt sein Werk „Die Pfeiler der Macht“ anpackt.

Kolja Kröger

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