Da bin ich verführbar

- Seinen Vertrag mit dem Bayerischen Staatsschauspiel und dem Intendanten Dieter Dorn hatte er über eine Dauer von fünf Jahren abgeschlossen. Bis Sommer 2006 wollte er in München bleiben. Nun wird Regisseur Elmar Goerden (40) nach Bochum abwandern (wir berichteten), um Intendant des dortigen Schauspielhauses zu werden.

<P>Im kommenden Frühjahr präsentiert er sich dort schon mal als Gastregisseur mit der Inszenierung von Tschechows "Möwe". "Es wird keinen Radikalbruch geben", versprach er gestern den Bochumern. Und fürs Bayerische Staatsschauspiel, das Goerden nur ungern "entlässt", sagte Dieter Dorn: "Wir freuen uns, dass ,unser Theater so anerkannt ist, dass Elmar Goerden mit Bochum eine wichtige Intendanz anvertraut wird.</P><P>"War es schon immer Ihr erklärtes Ziel, Intendant zu werden? </P><P>Goerden: Nein, natürlich nicht. Ich habe nichts Derartiges gesucht. Ich habe mich nicht auf dem Markt platziert. Im Gegenteil. Ich habe mich ganz bewusst in eine kontinuierliche Arbeit mit Dieter Dorn begeben. Und ich denke, wir haben hier auch eine gute Arbeit geleistet. </P><P>Trotzdem gehen Sie. <BR><BR>Goerden: Ja, denn der Gedanke ist einfach bestechend: selber ein Haus zu "bauen" und mit einer Gruppe von Bühnenbildnern, Schauspielern, Künstlern, mit denen man einmal den Weg gekreuzt hat, eine weitere Strecke gemeinsam zu gehen. Das ist etwas ganz Tolles. Diese Möglichkeit fällt nicht alle Tage vom Himmel. Und da ist ein Theatermensch, da bin ich verführbar. </P><P>Und Dieter Dorn, Ihr Münchner Chef? </P><P>Goerden: Er hat für meine Entscheidung vollstes Verständnis. Ich habe ihn vorab auch um Rat gefragt. Denn es ist ja so: Die für mich entscheidendsten künstlerischen Schritte passierten in München. Hier habe ich Gelegenheit, mit so großartigen Schauspielern wie Gisela Stein oder Lambert Hamel, Richard Beek, Helmut Stange, Rudolf Wessely und, und, und zu arbeiten. Ich werde München auch mit einem weinenden Auge verlassen. Denn ich bin kein Regisseur, der irgendetwas wäre ohne seine Schauspieler. Der lebende, spielende Mensch steht bei mir immer im Mittelpunkt. </P><P>Wenn Sie im Herbst 2005 Ihre Intendanz beginnen, werden Sie vermutlich vorzeitig aus Ihrem Münchner Vertrag aussteigen müssen . . . </P><P>Goerden: Wir reden gerade darüber. Wir werden uns mit Ablauf des Kalenderjahres 2004 trennen, denn ich benötige für Bochum natürlich eine gewisse Vorbereitungszeit. </P><P>Sie galten als Dieter Dorns Kronprinz. <BR><BR>Goerden: Zwischen uns war das nie ein Thema. Ich misstraue solchen Kronprinzenregelungen. Sie klappen meistens nicht. Ich hätte mich nicht darauf verlassen wollen. Und: Dieter Dorn pfeift ja nicht gerade auf dem letzten Loch. Natürlich will man ihn hier noch über 2006 hinaus halten. Das Theater brummt. Es ist nicht nur jeden Abend voll, es ist auch wirklich gut. Aber darauf bin ich ein bisschen mit stolz und schreibe diesen Erfolg mir schon auch auf die Fahnen. Bochum ist eine ganz besondere Adresse unter den deutschen Theatern, in der Regel starten die Intendanten von dort aus nach Wien, Zürich, Hamburg. </P><P>Wäre es denkbar, dass Sie nach München zurückkommen? </P><P>Goerden: Es ist müßig, jetzt darüber zu spekulieren. Aber was Bochum angeht: Es ist die Beharrlichkeit der Stadt, immer nur Regie führende Intendanten zu verpflichten, was ich richtig finde. Nur so kann man dem Haus seine Handschrift verpassen. Übrigens kenne ich das Bochumer Schauspielhaus seit meiner Schulzeit. Kleists "Hermannsschlacht", inszeniert von Claus Peymann, war meine Einstiegsdroge. </P><P>Im kommenden Sommer inszenieren Sie bei den Salzburger Festspielen "Eines langen Tages Reise in die Nacht", eine Koproduktion mit dem Bayerischen Staatsschauspiel, die in der nächsten Saison im Residenztheater zu sehen sein wird. Wie viele Inszenierungen wird es danach noch von Ihnen in München geben? </P><P>Goerden: Eine nur. Wir wissen noch nicht, was; aber es soll etwas ganz Schönes sein. Ein bisschen Trauer wird wohl herrschen . . . Goerden: Es wäre ja auch schade, wenn's nicht so wäre. In Bochum spielt derzeit ein sehr berühmter TV-Mann Theater, der ab dem nächsten Jahr frei ist. </P><P>Ist Harald Schmidt als Schauspieler für Sie interessant? </P><P>Goerden: Nein, ich glaube nicht. Aber man soll sich nicht verschließen. </P><P>Das Gespräch führte Sabine Dultz </P>

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