Das Vergehen der Zeit in der flüchtigen Kunst des Tanzes

- Man begreift es nicht: 2001 richtet die Stadt München neben der großen eine "kleine Optionsförderung" ein und schafft sie 2004 wieder ab! Jetzt erhält Katja Wachter wieder nur eine Produktionsförderung - und widersinnigerweise auch nur für ein Stück von Abendlänge, die den zeitgenössischen Tanz bekanntlich überbeansprucht. Trotzdem hat Wachter nun ihr abendfüllendes "Momentsterben" gestemmt: klug gebaut und hochästhetisch (Akademietheater). In der flüchtigen Kunst des Tanzes das Sterben der Zeit darstellen zu wollen, ist im Grunde ein tautologisches Unterfangen.

Aber Wachter lenkt gezielt unseren Blick auf den Verlauf einer Bewegung, wenn ein Tänzer seiner eigenen wiederholten Geste konzentriert hinterherschaut. Und es gelingt ihr, die von uns empfundenen Zeit-Qualitäten zu evozieren: die allmähliche Zeit, wenn ein flammend rotes Strickkleid ganz langsam aufgeribbelt wird. Die gleichförmig verrinnende Zeit, wenn die sechs Tänzer, scharf konturiert in ihren schwarz-roten Satin-Kostümen (Evelyn Straulino), gleichsam Metronom-gesteuert von Roderik Vanderstraettens Geräuschmusik, immer wieder die Bühne überqueren - die Arme wie Uhrzeiger steif hin und her schwingend. Die quälende Zeit, wenn die Tänzer flach am Boden in unnatürlich verbogener Position ruckweise rotieren. Aber nur dogmatische Illustration eines Themas - das wäre nicht Katja Wachter. <BR><BR>Kurze Videos und Texte schieben sich als ironische Brechungen ein. Und in Karl Schlagenhaufers verhaucht roten, blauen, nachtschattigen und weißen Lichträumen entfaltet die technisch ausgezeichnete Selfish Shellfish Company in spielerischer Leichtigkeit auch das ganze Wachter-Kaleidoskop an immer neuen Raum-Wegen und fantasievoll-organisch gebrochenen Bewegungen. <BR><BR><P>Bis Sonntag, Karten unter Tel. 089/ 54 81 81 81. </P>

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