Don Giovanni und Donna Anna: Adam Kim und Ivi Karnezi boten beim Opernfestival Gut Immling fulminante Stimmen und viel Spielfreude. Foto: Festspiele

Verjüngungskur für Don Giovanni

München - Immling: Mozart und Regisseurin Petra Meyer bejubelt.

Hat man auf Gut Immling nun vor einem Skandal gezittert oder eher insgeheim darauf gehofft? Mit endgültiger Sicherheit werden wir das wohl nie erfahren. Aber ein wenig Skepsis war da schon angebracht, als das Pressebüro des Chiemgauer Opernfestivals kurz vor der „Don Giovanni“-Premiere extra noch einmal über „befruchtende Spannungen“ zwischen Regisseurin Petra Luisa Meyer und Dirigent Georg Schmöhe informierte, der sich angeblich an den „lautstarken Liebesspielen“ auf der Bühne gestoßen haben soll. Doch egal, was nun der Hintergedanke dieser Indiskretion gewesen sein mag, statt schockierten Ohnmachtsanfällen und empörten Buhrufen erntete die Produktion einstimmigen Jubel vonseiten des Publikums. Warum auch nicht? Schließlich war Mozart ja bekanntermaßen selbst alles andere als ein Kind von Traurigkeit.

Darüber hinaus ist die harmlose Schnacksel-Episode (die weit weniger zeigt, als jede beliebige Vorabendserie) keineswegs der einzige Einfall, den die flotte Inszenierung zu bieten hat. Wenn es die Regisseurin dann aber doch mal etwas eindeutiger zur Sache gehen lässt, huldigt sie damit trotzdem nur selten dem platten Voyeurismus und bleibt stets ihrem Konzept treu. Meyers Don Juan ist nun mal einer, der die Frauen im wahrsten Sinne des Wortes wie die Luft zum Atmen braucht und sich bereits während der Ouvertüre unter dem Rock von Donna Anna eine kleine Verjüngungskur holen muss, ehe das dramma giocoso seinen Lauf nehmen kann. Wobei Adam Kim als Titelheld sichtlich Spaß daran hat, sich diesem bestrafenswerten Wüstling mit Haut und Haaren auszuliefern. Und das offenbar nicht nur, weil ihn hier permanent zehn fesche Signorinas aus der Statisterie umschwärmen dürfen.

Auch vokal zieht der Koreaner alle Register. Mal martialisch aufbegehrend, mal als eleganter Verführer, der die Herzen mit einem sanften Ständchen zum Schmelzen bringt. Selbst als Wolf im Schafspelz bleibt er aber einer, der sich ohne Rücksicht nimmt, was er will. Und im Zuge dessen schon mal den armen Ottavio (János Szerekován) beim kultiviert gesungenen „Dalla sua pace“ mit seiner kraftvoll geschmetterten Champagner-Arie harsch unterbricht und ungalant von der Bühne schiebt. Solche Abkürzungen hätte man sich übrigens ruhig etwas öfter gönnen dürfen.

Denn Georg Schmöhe zelebriert am Pult der Münchner Symphoniker eher einen altmodisch schweren Mozart, der von den Sängern oft einen langen Atem verlangt und das Geschehen nur selten so temporeich vorantreibt, wie es die szenische Umsetzung tut. Aus der Bahn werfen ließ sich von diesem leichten Ungleichgewicht dennoch keiner im Ensemble. Weder der spielfreudige, in der Höhe aber etwas stumpfe Leporello von Jacek Janiszewski noch Jana Dolezilková, die als heiratswütige Donna Elvira das Brautkleid stets griffbereit zur Hand hat und ihrer Figur mit ausladendem Sopran beinahe hochdramatische Züge verleiht. Trotzdem steht sie am Ende ein wenig im Schatten von Ivi Karnezi. Die macht nämlich nicht nur in den geschmackvollen Kostümen von Wiebke Horn eine gute Figur, sondern liefert dazu auch noch ein stimmlich fulminantes Porträt der Donna Anna. Womit sie neben der jugendlich frischen Zerlina von Olga Czerwinski wohl als die Entdeckung des Abends gelten darf.

Aufführungen bis 5. 8., Tel. 08055 / 9 03 40.

Von Tobias Hell

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