Verliebte Witwe

- Ein buntes Schaubudenprogramm, anmoderiert von zwei Damen in knackigen Kostümen, so präsentieren sich die fünf Kurzopern von Karl Amadeus Hartmanns "Das Wachsfigurenkabinett" in der Münchner Reaktorhalle (Regie: Stefan Spies). Der Inszenierung des ersten Stücks "Der Mann, der vom Tode auferstand" fehlt noch Witz und Schwung. Die Geschichte vom reichen Fabrikanten, der vor seinem Radiogerät einschläft und das Hörspiel von der Arbeiterrevolution für Wirklichkeit hält, leidet an den Schaufel schwingend auftretenden, plump marschierenden Arbeitern.

Spätestens beim dritten Stück "Fürwahr. . . ?!" aber bietet der Abend Situationskomik, über die man herzlich lachen kann. Jie Mei und Antonio Yang agieren darin mit mechanisch-ruckelnden Bewegungen als trunkene Heimkehrer in der Nacht, die sich vor der Wohnungstür streiten, wer von beiden denn nun eigentlich hier lebt.<BR><BR>Im Mittelpunkt der Produktion der Musikhochschule München und der Bayerischen Theaterakademie stehen aber die sängerischen Talente. Einer der herausragenden jungen Künstler des Abends ist der Tenor Mariano Spagnolo, der mit gefühlvollem Timbre die Ballade des Gehenkten in "Die Witwe von Ephesus", einer Groteske über eine Witwe, die sich auf dem Friedhof neu verliebt, singt. Die fünf Opern mit einer Dauer von elf bis zwanzig Minuten sind für ein Bläserensemble instrumentiert, das durch sein präzises Spiel und die Freude an den Tango- und Jazzrhythmen überzeugt. Hartmann entwarf "Das Wachsfigurenkabinett" für die Aufführung mit Nachwuchskünstlern, allerdings wurde nur eine der Kurzopern verwirklicht. Aus diesem Grund existieren von drei der Stücke nur Skizzen. Diese wurden von Hans Werner Henze, Günter Bialas und Wilfried Hiller ergänzt.<BR><BR>Passend zur Musik aus den wilden Zwanzigerjahren sind die fantasievoll-schrillen Kostüme von Bernadette Lehner. Ihr Materialmix ist so ungewöhnlich und ansprechend wie das gesamte Opernerlebnis an diesem Abend.<BR><P>Weitere Aufführungen an diesem Samstag, 19 und 22 Uhr, im Rahmen der Hartmann-Nacht und am 6., 9., 11. und 12. 2., 20 Uhr, in der Reaktorhalle, Luisenstraße 37 a.<BR></P>

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