Verliebter Kater

- Wenn der Kater in grauem Menschenanzug eine kleine Bürste zückt, und sich rasch den Schnurrbart striegelt, ehe er sich an den Katzentisch setzt; wenn er raffiniert dem weißpfotigen Schönling und Dauerkonkurrenten die Nudeln vom Teller stiehlt; wenn beide sich vor Gier nach den Singvögeln zitternd die Lippen lecken; wenn der eine unglücklich in die treulose Fliege Manon verliebt ist und der andere männerweise über das, was man sieht, und das, was man nicht sieht, philosophiert - dann ist das ein Fall für Gerd Lohmeyer.

Er hat wie kaum ein Zweiter das Gespür für den hintersinnigen Irrwitz, die feine Komik in den zwischentierischen Beziehungen. Und für die zwischenmenschlichen natürlich auch. Denn wie er das halbwüchsige Geschwisterpaar, zu dessen Haushalt die geheimnisvollen Katzen gehören, inszeniert, ist eine kleine, filigran gesponnene Kostbarkeit. Eine herrliche Pirouette auf einer theatralen Absichtslosigkeit.<BR><BR>Man hatte es schon längst vergessen, wie wundersam-witzig einst das absurde Theater war. Welch wahrhaftige Komik und Lebensweisheit sich hinter den Nonsense-Dialogen und den aberwitzigen Situationen verbergen, ist jetzt im Metropol-Theater neu zu erfahren. Dort hat Lohmeyer das von ihm aus der Versenkung geholte Stück "Der Sommer" von Romain Weingarten inszeniert. Lohmeyer hat in der sechs Tage- und sechs Nächte-Geschichte um ein abwesendes Liebespaar, das Kinder und Kater auf Trab hält, die Poesie und das Märchen entdeckt. Und Bernhard Gross baute ihm dazu eine traumhafte Bilderbuch-Bühne. Wechselndes Licht und Geigenspiel geben den stimmungsvollen Rahmen für vier ihr Publikum verzaubernde Schauspieler: Ulrike Arnold als große Schwester Lorette, Felix Kuhn als ihr geheimnisvoll gehemmter, versponnener Bruder Simon, der lange Johannes Herrschmann als elegant gelenkiger Kater sowie der kleine Gerd Lohmeyer als dessen bodenständiges Pendant.<P>Bis 13. November, Telefon 089/ 32 19 55 33.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline

Kommentare