Verloren in der Weite

- Ein Stück über eine schwule Liebe mit dem Gedenken an Aids-Opfer, Vietnam-Veteranen, Alkoholiker und Eltern, die ihre Kinder verloren haben, im Gepäck; das alles auf fünf Rollen verteilt, nicht chronologisch erzählt und nur von einer Person dargestellt - Regisseur Stefan Göppner und Schauspieler Joachim Völpel zeigen im Münchner "Theater . . . und so fort" statt eines lässigen "Road Movie" eher einen beherzten Kraftakt.

Bei der deutschsprachigen Erstaufführung von Godfrey Hamiltons Stück, das sein soziales Interesse nach dem Gießkannenprinzip über die meisten US-amerikanischen Konfliktfelder verteilt, hat sich das Team größtmöglichem Purismus verschrieben: die rohe Bühne, ein einsamer Stuhl und viel Licht. Eine Menge Raum für eine Geschichte, die sich vor dem inneren Auge des Zuschauers entfalten soll - gar zu viel Gestaltungsfreiheit womöglich. Denn in der Weite einer Landschaft aus Fantasien, Erinnerungen und sonderbaren Begegnungen, wie Joel sie auf der Fahrt zu seinem Geliebten von New York nach Kalifornien erlebt, müssen - optisch, akustisch, atmosphärisch - Marksteine gesetzt und Streckenverläufe sichtbar werden. Völpel aber droht als kleiner Punkt ständig darin zu verschwinden mitsamt der Figur, die er gerade spielt.

Schöne Szenen mit starken Gesten gelingen ihm durchaus. Aber weil er fünf Rollen gegeneinander abgrenzen muss, verkommt jede zum Stereotyp. Was amüsant sein könnte, wenn Joel sich vor der Reise einer lähmenden Ironie-Resistenz und eines gewichtigen Ernstes entledigt hätte.

Bis 10. Mai. (Telefon 089/ 23 21 98 77).

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