Vermittler der Kulturen

- Von Rafael Chirbes über Manuel Vá´zquez Montalbá´n bis hin zu Mario Vargas Llosa - kaum ein Autor der spanischsprachigen Welt, der noch nicht im Instituto Cervantes am Marstallplatz seine Werke vorgestellt hätte. Auch mit Ausstellungen, Konzerten, Filmvorführungen und natürlich Sprachkursen vermittelt die Einrichtung einem wachsenden Publikum spanische und lateinamerikanische Kultur und Lebensweise. Im Oktober hat Ferran Ferrando Melià` (42) die Leitung des Hauses übernommen.

<P>Was wird sich unter Ihrer Führung im Instituto Cervantes ändern?<BR><BR>Ferrando Melià`: Ich will die Linie meines Vorgängers José´ Ignacio Olmos Serrano fortsetzen, denn er hat sehr erfolgreiche Arbeit geleistet. Er hat es geschafft, die Zahl der Kursteilnehmer von 1000 vor acht Jahren auf 4000 zu steigern, die Bibliothek zu modernisieren und unseren schönen Saal zu einem eingeführten Veranstaltungsraum in München zu machen. Er hat das Haus auch für ein Publikum geöffnet, das noch nicht spanischsprachig oder mit Spanien und Lateinamerika vertraut ist.<BR><BR>Wo wollen Sie Ihre eigenen Schwerpunkte setzen?<BR><BR>Ferrando Melià`: Mir ist die Zusammenarbeit mit anderen kulturellen Einrichtungen in München und Bayern wichtig, zum Beispiel mit dem Goethe Forum und der Evangelischen Akademie Tutzing, auch mit den anderen ausländischen Kulturinstituten. Außerdem möchte ich, dass wir dem Münchner Publikum immer wieder etwas Neues bieten, neue Perspektiven eröffnen. Wir wollen Menschen einladen, die sich gesellschaftspolitisch äußern. Zum Beispiel Ignacio Ramonet, den Initiator der Attac-Bewegung. Oder Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts wie den Philosophen Juliá´n Marí´as. Menschen aus Spanien und Lateinamerika, die etwas erlebt haben.<BR><BR>Aufgrund Ihrer Biografie - Sie sind in Spanien und Deutschland aufgewachsen - sind Sie zum Vermittler zwischen den Kulturen prädestiniert.<BR><BR>Ferrando Melià`: Ich sehe das nicht als meine Lebensaufgabe. Es ist mir zugefallen. Aber es reizt mich schon, die verschiedenen kulturellen Sichtweisen zusammenzubringen, das, was jede Kultur für selbstverständlich hält, in Frage zu stellen.<BR><BR>Wie zum Beispiel?<BR><BR>Ferrando Melià`: Die spanischen Schriftsteller staunen immer, dass in Deutschland so viele Leute zu Lesungen kommen und auch noch Geld dafür zahlen. Und dass wir hier ein Drehbuch dafür entwickeln: erst Lesung, dann sprecht Ihr über dies und jenes. In Spanien laufen literarische Veranstaltungen eher in Form von informellen, spontanen Gesprächen ab. Aber die Autoren merken auch, dass andere Ergebnisse und Erkenntnisse zustande kommen, wenn man nicht alles der Spontaneität überlässt. Genauso andersherum: Die Spanier sind oft sehr eloquent und können mit ihrem Temperament beim Zuschauer einiges bewegen. Ich möchte zeigen, dass es Unterschiede gibt, die produktiv sind, aber auch Gemeinsamkeiten: Wir haben eine gemeinsame europäische Basis.<BR><BR>Sie haben zwei Jahre am Goethe-Institut in Barcelona deutsche Kultur vermittelt. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?<BR><BR>Ferrando Melià`: Die Deutschen lernen meist Spanisch, weil sie die Kultur interessiert, die Spanier lernen Deutsch vor allem, um beruflich weiterzukommen. Die deutsche Kultur gilt wie die deutsche Sprache als schwer zu durchdringen, wird aber auch sehr bewundert.<BR><BR>Welchen Teil des Münchner Kulturangebotes schätzen Sie persönlich am meisten?</P><P><BR>Ferrando Melià`: Ich höre mir gerne Jazz im Nightclub des Bayerischen Hofs an oder Weltmusik in der Muffathalle. Außerdem gehe ich häufig ins Literaturhaus oder ins Filmmuseum. Allgemein hat München ein sehr gutes Ausstellungsangebot.</P><P>Das Gespräch führte<BR>Andreas Steppan<BR>"Spanier staunen, dass Leute für Lesungen Geld bezahlen": Ferran Ferrando Melià`, Direktor des spanischen Kulturinstituts.Foto: Schlaf<BR></P>

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