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Veronika von Quast liebt ihr Daheim: „Ich brauch eine Umgebung, wo ich mich wohl fühl“, betont sie beim Gespräch in ihrer Wohnung.

Interview zur Premiere

„Mia geht’s nia noss nei“

München - Bevor sie in der Komödie im Bayerischen Hof Premiere feiert, spricht Veronika von Quast über „Eine ganz heiße Nummer“, Lebensmut und Weiberhaushalt.

Interview in einem Café? Veronika von Quast lädt lieber zu sich nach Hause ein. „Ich brauch eine Umgebung, wo ich mich wohl fühl“, meint sie. Und ihre Wohnung lacht auch dem Gast ein Willkommen entgegen: helles Licht, bunte Farben, überall Bilder, gemütliche Sofas und zwei Hunderl, die selbstbewusst ihr WG-Recht kundtun. Mit was sie sich umgibt, sagt schon, wie sie ist: offen, dem Leben und Menschen mit allen Sinnen zugewandt. Und was sie alles schon gemacht hat, von der BR-Sendereihe „Kanal fanal“, den diversen ZDF-Serien bis zu ihren Rollen im Münchner Volks- und im Residenztheater und ihren musikalisch-literarischen Abenden, das gehört quasi zum bayerisch kulturellen Basiswissen. Jetzt spielt das Münchner Gwachs unter der Regie von Theater-Kabarett-Allrounder Jochen Busse in „Eine ganz heiße Nummer“. Erotischer Tatort: die Münchner Komödie im Bayerischen Hof ab 10. September.

Andrea Sixts 1998 erschienener Bestseller „Eine ganz heiße Nummer“ lockte in Markus Gollers Verfilmung 2011 über eine Million Zuschauer an. Das Thema ist ja auch ganz schön heiß: Maria und Waltraud, deren Tante-Emma-Laden vor der Pleite steht, weil die Kundschaft zum Discounter abwanderte, gründen im erzkatholischen Marienthal eine Existenz-rettende Telefonsex-Hotline. Saskia Vester und Andrea Wildner spielen die mutigen Unternehmerinnen, Sie, eigentlich gegen den Strich, die moralisch entrüstete Gerti.

Keine Sympathieträgerrolle. Ich nehme sie als Herausforderung. Die Gerti ist eine Garstige, Bissige. Eine Gschaftlhuberin, die mit ihrem Gutmenschentum, ihrer Moral hausieren geht. Sie gehört zu dieser Kategorie älterer Frauen, die mit ihrem Leben nicht so ganz einverstanden sind... Ich selbst fühle mich richtig gut. Ich habe kein Problem mit meinem Alter. Mir liegt nichts mehr am Ausgehen. Ich lese viel, bin gern mit Freunden zusammen. Und die Sexualität, finde ich, ist in unserer Gesellschaft total überbewertet.

Wie funktioniert die akustische Sex-Animation auf der Bühne, ohne dass sie pornografisch wirkt?

Im Stück wird Bairisch geredet. Da klingt das alles nicht so anzüglich. Und dann der Humor. Es gibt da diese sprachlichen Verzögerungen, wenn die Bezeichnung für den gewissen männlichen Körperteil nicht über die Lippen will. Maria, Waltraud und die Verkäuferin Lena müssen ja erst mal solche Sex-Texte lernen, was auch schon komisch ist. Außerdem siehst du deinen Partner nicht. Telefonsex ist ja ohne Einzipfeln (lacht verschmitzt), von daher eigentlich sehr hygienisch.

Sie haben mit Jochen Busse in der Komödie im Bayerischen Hof zuletzt „In jeder Beziehung“ gespielt. Hier inszeniert er.

Er ist ein guter Regisseur. Von jemand, der selbst spielt, kann man eher etwas annehmen. Er hat ein Gespür für Timing. Und weil er selbst auch schreibt, weiß er, wo man Pointen setzen muss.

Für die Regensburgerin Sixt hatte 1995 mit dem Kinoerfolg „Workaholic“ eine vielversprechende Drehbuchkarriere begonnen, als sie Brustkrebs bekam mit der Diagnose „noch ein Jahr“. Sie hat weiter gearbeitet und die Krankheit besiegt. Sie sind ja auch so eine Kämpferin.

Sich alles selbst zu erkämpfen, stärkt das Selbstbewusstsein, macht angstfrei. Mia geht’s nia noss nei. Ich bekam mit 18 meine Nini. Ein paar Tage nach der Geburt ist ihr Vater tödlich verunglückt. Nini und meinen Philipp aus der Ehe mit Christoph von Quast habe ich allein großgezogen. Ich habe nie einen Ernährer gesucht und fühle mich nicht halbwertig ohne einen Mann an meiner Seite. Ich komme tatsächlich aus einem Weiberhaushalt. Meine Urgroßmutter war Wirtin vom „Soller“ im Tal, meine Großmutter hatte ein Obstgeschäft in der Inneren Wiener Straße. Und meine Mutter, die uns Kinder nach dem Krieg durchbringen musste, bewarb sich 1948 als Direktionsekretärin bei den Kalk- und Zementwerken Marienstein in der Ludwigstraße. „Nicht über 30“ war die Einstellungsbedingung. Nachdem der Chef sie geprüft hatte, schaute er in ihren Pass. „Sie sind ja schon 40“, sagte er erbost. Und meine Mutter: „Waren Sie jetzt zufrieden mit meiner Arbeit oder nicht?“ Sie hat die Stelle bekommen.

Durch einen nicht selbst verschuldeten Autounfall vor zwei Jahren, mussten Sie Ihre Hüfte operieren lassen. Wenn die OP schief gelaufen wäre, ...

...hätte ich Krüppelrollen gespielt. Oder ich hätte mich als Vorleserin beworben. Ich hätte für Leute Hüte genäht, gehäkelt oder gekocht. Ich esse gern, und Kochen ist für mich wie Yoga. 1972/73 hatte ich ja schon mal einen Bauerngasthof. Ich könnte übers Internet meine Brotaufstriche, meine Pestos und Marmeladen verkaufen. Ich habe ja auch nach einer Ausbildung zwölf Jahre als Röntgenassistentin gearbeitet, parallel zur Schauspielerei. Existenzängste habe ich keine. Lustige alte Schachteln werden immer gebraucht.

Das „alt“ vergessen wir schnell. Wo werden Sie demnächst spielen?

Im Hofbräuhaus am 19. und 20. November in den „Brettl-Spitzen“, die das Bayerische Fernsehen aufzeichnet. Und ebenfalls dort, im Erkerzimmer, spiele ich am 28. und 30. November „Die Kellnerin Anni“ von Herbert Rosendorfer.

Das Gespräch führte Malve Gradinger.

Karten

für „Eine ganz heiße Nummer“ in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof unter 089/ 29 16 16 33.

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