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„Warum sollte ich aufhören?“ Christo feiert an diesem Samstag seinen 80. Geburtstag.

Verpackungskünstler feiert runden Geburtstag

Christo zum 80.: Auf die Verpackung kommt es an

New York - Ob er seine Geschenke selbst eingepackt hat? Christo wird an diesem Samstag 80 Jahre alt und steckt nach wie vor voller Ideen.

Wenn Christo über seine Arbeit redet, spricht er immer noch von „wir“. Fast sechs Jahre nach dem Tod seiner Partnerin Jeanne-Claude sieht sich der Künstler nach wie vor als Teil eines Paares, als etwas Unvollkommenes, der das Gemeinsame aber zu Ende führen muss. Dabei scheint der in Bulgarien geborene Amerikaner agil wie nie, sprüht vor Ideen und denkt nicht einmal ans Aufhören in einem Alter, in dem andere längst Rentner sind. An diesem Samstag wird Christo 80.

„Warum soll ich aufhören? Ich liebe meine Arbeit doch“, sagt er in seinem Atelier im New Yorker Stadtteil Manhattan. „Und es gibt doch noch so viel zu tun.“ Gerade hat er mal eben ein Projekt dazwischengeschoben. „Weil es sich mit ,Over The River‘ und ,Mastaba‘ so hinzieht, wollte ich einmal etwas Schnelles machen.“ Mal eben so ein Kunstprojekt, das wieder – das lehrt die Erfahrung – Millionen auf der ganzen Welt faszinieren wird.

Bei „Over The River“ soll ein Fluss in Colorado über fast elf Kilometer abgedeckt werden, „Mastaba“ wird eine Pyramide in Abu Dhabi aus 400 000 Ölfässern. Die Ideen für beide Projekte sind Jahrzehnte alt. „Floating Piers“ begann dagegen vor einem Jahr, und in einem Jahr soll es fertig sein. Dann werden zwei Inseln im oberitalienischen Iseosee für 16 Tage mit orangefarbenen Pontonbrücken verbunden sein, über die man spazieren oder an denen man mit dem Boot anlanden kann. Christos Projekte bestehen vor allem aus Lebensgefühl.

Und sie kosten Millionen. Geld, wovon der Steuerzahler nicht einen Cent bezahlt, und auch Sponsoren will Christo nicht. „Ich will frei sein, ganz und völlig frei sein“, sagt er. Als die Russen 1956 den Aufstand in Ungarn niederschießen, versteht er die Signale und flieht, versteckt in einem Güterzug. Staaten- und mittellos schlägt er sich in Paris durch, indem er Auftragsporträts („die Prostitution der Kunst“) von reichen Franzosen macht. Eine Auftraggeberin hat eine Tochter, die mit feuerroter Mähne, großer Klappe und blitzgescheitem Denken auffällt.

Doch diese Jeanne-Claude ist schon versprochen, und als sie wenig später heiratet, ist sie schwanger – von dem mittellosen Bulgaren, der sich Künstler nennt, weil er Konservendosen einpackt und bemalt. Der betrogene Ehemann findet nach zwei Wochen Ehe die Türschlösser ausgewechselt. Auf die Frage, was los sei, antwortet Jeanne-Claude: „Dein Schlüssel passt nicht mehr in mein Schloss.“

Reichlich haben die beiden nur die Empörung der Familie, Schulden – und viele Ideen. Sie ergänzen sich perfekt. Er ist der Künstler voller Kreativität, sie die begnadete Organisatorin, die dafür sorgt, dass aus den Ideen reale Werke werden.

Im Jahr 1995 verwirklicht das Paar eines seiner Meisterstücke – die Verhüllung des Berliner Reichstags. Wie zuvor bei den mehr als 3000 Sonnenschirmen in Kalifornien und Japan, wie später bei den 7503 Toren im New Yorker Central Park – Christo, Jeanne-Claude und ihre jeweilige Arbeit sind Weltereignis. Und trotzdem: Nach ein paar Tagen ist alles wieder weg. „Die Vergänglichkeit ist Teil des Projekts, ein besonders wichtiger sogar“, erklärt Christo mit einem Lächeln. Und so wird es bleiben.

von Chris Melzer

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