Wie im verrauchten Club

- Angesichts des Lärms und des ungemütlichen Sitzes ist es eigentlich unfassbar, aber die junge Dame auf dem Nebenplatz schläft zweifellos tief und fest - gerade als Whitney Houston sich auf der Bühne abmüht. Erst als sie davon eilt, um sich umzuziehen und ihr Bruder Gary zur Überbrückung hörenswert "Change the world" intoniert, schreckt die Konzertbesucherin auf und fragt, wer denn dieser hervorragende Sänger sei.

Mit Tiefschlaf auf Whitney Houston zu reagieren, war nicht die schlechteste Idee an diesem Abend in der Münchner Olympiahalle; ihr Auftritt wäre mit dem Wort desaströs nur unzureichend umschrieben. Eigentlich hatte das Konzert der drei Soul-Diven Dionne Warwick, Natalie Cole und Whitney Houston viel versprechend begonnen. Warwick eröffnete mit Burt-Bacharach-Klassikern das Mammut-Ereignis. Souverän und sympathisch begeistert sie mit einer Stimme, die so präsent und natürlich klingt, als könne man gar nicht anders singen. Natalie Cole, Tochter des legendären Nat "King" Cole, legt dann einen furiosen Auftritt hin und beweist Mut bei der Auswahl ihres Repertoires. Wie in einem verrauchten Jazzclub klingt es, wenn Cole Standards ihres Vater singt, aber dennoch hat sie die riesige Halle fest im Griff. Strahlend schön und trotz ihrer 54 Jahre ununterbrochen in Bewegung, treibt sie das Publikum zur Raserei. Bei "Fever" schließlich kocht der Saal. Aber Natalie Cole ist ehrgeizig, überrascht mit einer bemerkenswerten Version von Bob Dylans "Gotta serve somebody" und wird zunehmend rockiger. Das sind zwar nicht die Klänge, bei der Coles Stimme am besten zur Geltung kommt. Aber die Musik ist gut für die Stimmung und bereitet Whitney Houston den Boden, die im gefälligen Soul-Pop zu Hause ist. Whitney Houston ruiniert indes die grandiose Vorarbeit von Warwick und Cole binnen weniger Minuten.<BR><BR>Fahrig rotzt sie ihre Hits heraus und schafft, was man bei so einem Talent für nicht möglich gehalten hätte: Sie verfehlt immer mal wieder den richtigen Ton und phrasiert erschreckend schlampig. Kein einziges Lied hält sie durch und brabbelt schwer atmend ständig wirres Zeug, wenn sie nicht gerade in der Manier eines Kleinkindes im Colarausch über die Bühne hampelt. Bei den gemeinsamen Liedern mit Cole und Warwick beweisen die Kolleginnen Nächstenliebe und stützen Houston stimmlich, so gut es geht. Aber da schläft die Sitznachbarin längst und träumt vielleicht von einer hochbegabten jungen Sängerin, die einmal als Hoffnung des Soul galt.

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