Verrauschte Strauss-Tage

- Das Symphonie-Orchester des BR ist Kummer gewöhnt, wenn es ums Thema Konzertsaal geht, ein eigener ist in München noch lange nicht in Sicht. Und auch Gastspiele bieten immer wieder Überraschungen, wie jüngst das Schlusskonzert der Richard-Strauss-Tage in Garmisch-Partenkirchen. Die Akustik im Eissport-Zentrum ist nicht optimal, aber es gibt dort zum Leidwesen der Veranstalter keine bessere Halle für Konzerte dieser Größenordnung. Die hilflose Situation wurde augenfällig durch die bemühte Bühnenbegrünung, offenbar von einer örtlichen Friedhofsgärtnerei.

<P>Überdies wurde vergessen, die Verstärkeranlage auszuschalten. Dadurch entstanden ein im ersten Teil zu hörendes Rauschen und laute Kratzgeräusche. Dass dies ausgerechnet während Misha Maiskys kernig-geschmeidigem Spiel in Dvoráks h-moll-Cellokonzert passierte, vorzugsweise bei Solo- und Pianostellen, ist unverzeihlich. </P><P>Vollkommen zerstört: das Ende des zweiten Satzes. Maisky, die BR-Musiker und Dirigent Semyon Bychkov hielten mit souveräner Konzentration exzellent dagegen. Erst fünf Minuten vor Schluss des Stücks wurden die Lautsprecher zum Schweigen gebracht.<BR><BR>So erklang nach der Pause "Ein Heldenleben" von Richard Strauss ohne Störfaktoren. Bychkov gab dem Orchester viel Zeit und Raum, die Themen des Heldenepos eher schlank und ohne schwülstiges Pathos in allen Schattierungen zu entwickeln. Für dieses Monumentalwerk erwies sich die Bühnenbreite als interessanter Aufführungsort, doch vom "Bayreuth des Südens" ist Garmisch-Partenkirchen Lichtjahre entfernt.<BR></P>

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