Verrostete Bombe

- Gerade erst haben sie angefangen, nun nennt man sie "professionell". Mutig war ihr Sprung in die weite Welt der bildenden Kunst, nun steht sie ihnen offen. Und was eben noch unwegsames Gelände war, ist nun längst besetztes Gebiet. Wieder präsentiert der Berufsverband Bildender Künstler den Bayerischen Kunstnachwuchs, fördert "Die ersten Jahre der Professionalität" mit einer Sammelausstellung in der Galerie der Künstler und überrascht diesmal mit sieben jungen Münchnern, die eine besondere Sensibilität verbindet.

<P>Von Krieg und Freundschaft</P><P>Es scheint, als habe die anonyme Abstraktion hier ausgedient, als bilde sie nur mehr die schützende Außenwand für kleine persönliche Erzählungen. Ulrike Grießmayrs Cutout-Bilder besitzen die Form von Schmetterlingen, doch in ihrem Innern tummeln sich kleine Figuren, comicartige Menschenketten in Schöpfungsgeschichten von Krieg und Freundschaft. Die Tisch-Modelle der Hamburgerin Genua bilden aus Schuhpaaren oder Wollzwerg-Grüppchen versteckt unter leblosen Überschriften einen liebevoll filigranen "Mikrokosmos".<BR><BR>Carolin Leycks breite Pinselstriche suchen noch in bunter Erwartung nach Schichtung und Richtung; Anthony Werners Gemälde "Wenn du lächelst" und "Warte auf mich" hingegen entspringen bereits gefundenen, Raum erobernden Gefühlen. Greifbarer sind die Arbeiten von Michaela Neumann und Christian Schnurer: Während die eine in Keramik-Abdrücken ein Waschbecken oder 500 Fäuste aushöhlt, erfüllt der andere das Thema des Krieges mit provokativem Leben, etwa wenn er eine verrostete Bombe durch Münchens Ludwigstraße schiebt.<BR><BR>Die Werke der jungen Künstler bewegen sich stets nah am Menschen, manchmal finden sie sogar unter Menschen statt. In seinen Foto- und Videoarbeiten bezieht Christoph Faulhaber den Betrachter ins Private mit ein. Herausfordernd begegnen diesem die Blicke der Bewohner von 18 identischen, doch individuell eingerichteten Hochhaus-Wohnzimmern. Und nachdem man etwa eine halbe Minute auf das schwarz-weiße Küchenstandbild "Wiener Aktionismus" gestarrt hat, explodiert plötzlich die Espressomaschine auf dem Herd. Es brodelt in der neuen professionellen Welt.</P><P> Bis 20. Mai. Di.-So. 11-18 Uhr, Maximilianstr. 42. Info: 089/ 22 04 63. Der Katalog kostet 9 Euro.</P>

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