Auf verschiedenen Stufen

- Drei erste Preise - und dann drei so unterschiedliche Höreindrücke: Am Programm lag das nur zum Teil, das Richard Strauss' leicht aufgedunsenes zweites Hornkonzert mit dem verschatteten Pathos von Edward Elgars Cellokonzert und dem Violinkonzert-Wunder von Johannes Brahms zusammenspannte.

Nein, die drei Glücklichen beim ARD-Wettbewerb demonstrierten auch, auf welch verschiedenem Karriere- und Entwicklungsniveau die "Goldmedaillen" errungen werden können. Dass etwa die Chinesin Jing Zhao schon mit Promis wie Abbado und Muti auftrat, merkt man ihr an. Sehr reif, sehr selbstbewusst gestaltete sie im Münchner Gasteig das Elgar-Konzert. Mit schlankem, gleichwohl intensivem Ton und in gutem Kontakt zum Symphonie-Orchester des BR. Die geisterhaft huschende Virtuosität des Mittelsatzes wurde nie veräußerlicht, wie überhaupt Jing Zhao schon genau spürt, welche Dosis Dramatik in der jeweiligen Phrase erforderlich ist.

Keisuke Okazaki ist da anders gelagert. Der japanische Violinist neigt zum Typ Showman, spielt risikoreich, mit druckvollem Forte, farb- und facettenreich, im Lyrischen aber eine Spur zu nonchalant. Er müsste seine zweifellos vorhandenen Künste noch gezielter im Sinne der Werkdramaturgie einsetzen - ob er tatsächlich eine "Idee" vom Brahms-Opus hat, erschloss sich nicht ganz. Überdies gab es kleine Intonations-Unfälle, die auch durchs Orchester nicht ausgeglichen werden konnten: Trotz wunderbarer Bläser-Soli war den BR-Musikern anzuhören, wie oft sie das Stück im Wettbewerb absolvieren mussten, zumal man sich auch von Yakov Kreizberg ein subtileres Dirigat gewünscht hätte.

Aus der Deckung nähert sich Szabolcs Zempléni dem Hornkonzert von Strauss: kantabel, mit geschmeidigem Ton, fast mit Understatement. Aber der Ungar, bereits Solo-Hornist der Bamberger Symphoniker, wird sicher noch an gestalterischem Profil gewinnen. Großer Beifall für ihn und die Kollegen, dennoch: Ob der ARD-Wettbewerb nicht - wie früher - knauseriger mit den ersten Preisen umgehen sollte?

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