Verschmitztes im Deutschen Pavillon

- Nur Marilyn Monroe fehlte. Es war genauso heiß an den Vorbesichtigungstagen der Biennale wie im sommerlichen New York des Films "Das verflixte siebte Jahr". Und genauso hörte man durch den Entlüftungsschacht die U-Bahn heranbrausen _ trat aufs Gitter wie einst der sexy Star und spürte den Windhauch von unten: im deutschen Pavillon der Giardini . . .

<P>Metro unter der Lagune? Eine charmante Illusion aus dem Zauberschatz Martin Kippenbergers, der postum (gestorben 1997) doch noch zu der Ehre kam, den Hauptsaal des Kunsttempelchens Germania zu besetzen. Dezent, aber leicht schräg hat Kurator Julian Heynen (K 21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf) Kippenberger, der ja auch ein Spektakel-Macher war, in die Halle positioniert. Noch eine Skizze zu "Metro-Net World Connection" an der Wand mit der Ortsbestimmung zwischen Alaska und Griechenland - das war's.</P><P>Zu diesem verschmitzten Auftritt passen die Innenraum-Fotografien von Candida Höfer, rechts und links den Saal flankierend. Bibliotheken, Sitzungs-, Museums- und Repräsentations-Säle, Nutzräume aller Art zeigt die Künstlerin in brillanten Bildern ohne Menschen. Sie beweist ein frappierend scharfes Auge für den Charakter von Örtlichkeiten, der sich in deren Ästhetik manifestiert, verwandelt aber in anderen Fällen die optischen Reize eines Raums zum eigenständigen künstlerischen Wert. </P><P>Die "Autorimessa" (Venedig 2003), also ein Parkhaus, ist per Foto kein schnöder Behälter für die Vehikel der Touristen, sondern ein Bauwerk mit Finessen, während das ebenfalls venezianische Archiv für alte Stoffe in seiner ohnehin schon traumverlorenen Würde belassen wird. Bei den Bibliotheken beweist Höfer mitunter solche Klarsicht, dass man dankbar konstatiert: Sie ist keine Porträtistin. Denn vor ihr würde nichts verborgen bleiben. So entpuppt sich die "Beinecke Rare Book and Manuscript Library, New Haven" als protzig finstere Zwingburg des Geistes. Kurator Heynen ist es also - trotz kurzer Vorbereitungszeit - gelungen, eine Ausstellung von einigem intellektuellem Niveau, wenn auch nicht von experimentierfreudiger Neugier für die Biennale zu gestalten.<BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
Rupert Grint über die Gangsterserie „Snatch“ und sein Entkommen aus der Gefangenschaft des „Harry Potter“-Universums.
„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Eine bessere Sängerbesetzung für diesen neuen „Tannhäuser“ an der Bayerischen Staatsoper lässt sich nicht finden - wohl aber ein besserer Regisseur. Die rituellen Bilder …
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
Franz Ferdinand, Feist und Judith Holofernes sind nur drei Acts, die beim diesjährigen „Summer‘s Tale“ auftreten. Unter Musik-Kennern längst bekannt, ist das Festival …
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie

Kommentare