Ich verschwinde, so gut ich kann

- Nach 23 Monaten kehrte Claudio Abbado als Gast zu seinem früheren Orchester, den Berliner Philharmonikern, zurück. Wie lange wohl Ähnliches bei James Levine dauern wird? Da antwortet der Dirigent vorsichtig: Zwischen Boston, wo er die Symphoniker leiten wird, und der New Yorker Met lägen ja nur 40 Minuten Flugzeit. Der lästige Jetlag falle weg. Außerdem werde er einige Jahre brauchen, um den richtigen Ausgleich zwischen beiden Jobs zu finden. "So schnell wie möglich" wolle er eine Rückkehr zu den Münchner Philharmonikern erwägen.

Im Gespräch zieht James Levine eine positive Bilanz seiner fünf Münchner Spielzeiten. Ziel sei es gewesen, am Klang zu arbeiten und das Repertoire zu erweitern - was gelungen sei. "Die Münchner Philharmoniker hatten vorher ein eingeschränktes Repertoire, das ist nicht gesund für ein Orchester." Levine räumt ein: "Die Zeit hat nicht für alle Verbesserungen ausgereicht. Aber wer weiß, ob mehr Zeit auch mehr verändert hätte?"<BR><BR>Trotzdem verteilt der Amerikaner großzügig Komplimente: Er liebe diese Stadt, dieses Orchester und sein Publikum. Die Philharmoniker seien ein Ensemble mit ausgeprägter Individualität und könnten sich auf ein sehr konzentriertes Publikum verlassen. Dass er beim Dirigieren zuweilen in minimalistische Bewegungen verfalle, ist Levine durchaus bewusst: "Ich versuche immer in den ersten Konzertminuten so gut zu verschwinden, wie ich kann." Nicht der Dirigent sei wichtig, sondern das Werk. "Ich habe einmal ein Video von mir gesehen, da habe ich dauernd gelächelt, dauernd Mätzchen gemacht. Und die Musiker haben nur 50 Prozent von dem gegeben, was sie konnten - sie haben einfach die Show angeschaut." Außerdem sei es wichtig, dem Orchester Freiheit zu geben. Je mehr es bekomme, desto leichter beschreite es den richtigen Weg.<BR><BR>Und am monumentalen Abschiedsprogramm, Mahlers "Lied von der Erde" und dessen zweiter Symphonie, kann Levine nichts Schlimmes finden. Schließlich sei dies eine historische Kombination von Bruno Walter, als er 1911 in München das "Lied von der Erde" uraufführte. "Ich nehme an, das Programm war etwas Einmaliges, etwas, das er nie wieder so tun wollte. Da dachte ich mir, es wäre doch schön, wenn wir das auch spielen." Außerdem: "Die Leute besorgen sich einen Babysitter für den Abend, müssen auch für den Parkplatz bezahlen, da sollte sich ein Konzert schon lohnen. Wenn ich das Programm übrigens mit unserem ,Parsifal vergleiche, dann wirkt es gar nicht mehr so lang."<BR><BR>

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