Verwandte Seelen

- Handelt es sich vielleicht nur um eine leere Phrase, oder ist weniger eben doch manchmal mehr? Nun, wenn man einen Vokal-Artisten wie Bobby McFerrin aufbieten kann, ist die Antwort in jedem Fall ein klares, uneingeschränktes Ja. Und wenn sich dazu noch, wie jetzt im Gasteig, Jazz-Legende Chick Corea die Ehre gibt, dann ist das Glück endgültig perfekt.

Hier scheinen wirklich zwei verwandte Seelen zueinander gefunden zu haben, die sich auf ideale Weise ergänzen und gegenseitig zu immer neuen Höchstleistungen antreiben. Schon mit den ersten Tönen ergreift das dynamische Duo Besitz von der Bühne, schlägt die Zuhörer unmittelbar in seinen Bann. Mehr als zwei extrem flexible Stimmbänder und einen Steinway-Flügel braucht es da gar nicht, um den Raum mit Spannung zu füllen.

Chick Corea ist dabei nicht einfach nur stilvoller Begleiter sondern ein mehr als ebenbürtiger Partner. Sein impulsives Klavierspiel steht der - im wahrsten Sinne des Wortes - einfach nur atemberaubenden Stimmakrobatik von Bobby McFerrin in nichts nach. Und wenn der Pianist trotzdem mal eine Auszeit nimmt, wird eben eine der bereitstehenden Flaschen Mineralwasser als Instrument zweckentfremdet.

So etwas wie ein festes Programm gibt es bei dieser unterhaltsamen Lehrstunde über die hohe Kunst des Improvisierens sowieso nicht. Songs wie "Autumn Leaves" oder Cole Porters Klassiker "Night and Day" werden spontan aus einem reichen Fundus ausgewählt oder, wenn sich die Gelegenheit bietet, auch kurzerhand neu gedichtet und komponiert. Der Spaß, den die beiden am Musizieren haben, erweist sich dabei schon bald als hochgradig ansteckend, und so wird selbst in den ehrwürdigen Mauern der Philharmonie vom Publikum begeistert gewippt, gestampft und geschnippt.

Wer einen Platz auf dem Podium ergattert hatte kam sogar zu der großen Ehre, als Background-Chor einzuspringen und McFerrin bei einer seiner kunstvollen Improvisationen stimmlich zu unterstützen. Klar, dass es sich die Zuhörer nicht nehmen ließen, nach diesen zwei viel zu rasch vorüberziehenden Stunden lautstark nach Zugaben zu verlagen, die zum Glück freigiebig gewährt wurden.

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