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Zum zweiten Mal steht das Garmisch-Partenkirchener Richard-Strauss-Festival heuer unter der künstlerischen Leitung von Brigitte Fassbaender.

Verwöhnprogramm mit "Märchen und Mythen"

Garmisch-Partenkirchen - Zum zweiten Mal steht das Garmisch-Partenkirchener Richard-Strauss-Festival heuer unter der künstlerischen Leitung von Brigitte Fassbaender. Im Interview spricht sie über Event-Kultur und ihr Publikum.

Mit „Märchen und Mythen“ will sie in diesem Jahr ihr Publikum „verwöhnen“: Zum zweiten Mal steht das Garmisch-Partenkirchener Richard-Strauss-Festival heuer unter der künstlerischen Leitung von Brigitte Fassbaender, Sängerinnen-Legende und Intendantin des Tiroler Landestheaters in Innsbruck. Das Festival zwischen Wank und Zugspitze beginnt morgen, ein Höhepunkt ist die konzertante „Frau ohne Schatten“ im Eisstadion mit Stars wie Luana DeVol, Wolfgang Brendel und Silvana Dussmann.

Was nehmen Sie aus Ihrem ersten Festival-Jahr mit? Hat Sie etwas überrascht, positiv wie negativ?

Ich war überrascht davon, wie gut und wunderbar alles gelaufen ist, auch organisatorisch. Ich spüre eine richtig schöne Aufwind- und Aufbruchsstimmung.

Was kann man dem Garmisch-Partenkirchener Festivalbesucher zumuten, was nicht?

Dazu etwas zu sagen, wäre ein wenig früh. Man kann ihm wohl eine ganze Menge zumuten. Was ich ihm aber nicht zumuten will: dauernd die großen Namen. Ich möchte auch den hoffnungsvollen Nachwuchs vorstellen, nicht nur jene Stars, die ohnehin schon bei jedem Event herumgereicht werden.

Da hört man eine Kritik durch...

Ich finde diese Event-Kultur ganz unmöglich. Man muss das Publikum auch dazu erziehen, dass es diesen Zirkus nicht mitmachen muss.

Gibt es eine spezifische Art von Strauss-Gesang? Was macht ihn aus?

Dafür sind unsere Meisterkurse da, deshalb habe ich hierfür Stars eingeladen. Strauss fordert immer alles. Denken Sie nur an den Umfang der Partien, die Tessitura ist bei einigen Rollen fast unsingbar. Dann die Großbogigkeit, der große Strauss’sche Atem gewissermaßen, all dies verbunden mit einer stark instrumentierten Partitur. Eine junge Stimme muss erst damit vertraut gemacht werden, dies ohne Forcieren übertönen zu können. Und nicht zuletzt die Textverständlichkeit, die für Soprane in Extremlagen ja kaum zu schaffen ist. Da gibt es also wahrlich genug zu lernen.

Warum hat Strauss seine komponierenden Zeitgenossen in Sachen Popularität verdrängt?

Natürlich war er unglaublich geschäftstüchtig. Andererseits hat er eine ungeheuer eigenständige Handschrift entwickelt und behalten. Er ist sich irrsinnig treu geblieben, das finde ich so toll. Sein Erfindungsreichtum, seine Emotionalität, seine Fantasie, all das berührt mich. Und es ist fantastisch, mit welcher schöpferischen Kraft dieser Mann bis ins hohe Alter gearbeitet hat.

Mit der konzertanten „Frau ohne Schatten“ gehen Sie ins Eisstadion...

...was bleibt uns anderes übrig? Die Ideallösung ist das nicht. Aber wann es in Garmisch-Partenkirchen einen größeren Konzertsaal gibt, steht noch in den Sternen. Derzeit ist einfach kein Geld dafür vorhanden. Ich hoffe, dass im Zuge der Olympischen Spiele, die möglicherweise 2018 auch hier ausgetragen werden, eine Halle gebaut wird. Bis dahin müssen wir uns mit dem Kongresshaus und dem Eisstadion behelfen. Eine Ausdehnung wie früher mal ins Passionstheater Oberammergau halte ich für falsch. Man muss mit dem Festival in Garmisch-Partenkirchen bleiben. Dort, wo Strauss glücklich war und inspiriert wurde.

Stichwort Finanzkrise: Wird es auch fürs Strauss-Festival eng?

Es ist immer eng. Ich schätze mich aber als vernünftige Macherin ein. Mit den Rahmenbedingungen kann man ganz gut umgehen. Wir müssen ja auch nicht Allerteuerstes wie die Wiener oder Berliner Philharmoniker einladen. Ich stelle im Übrigen fest, dass die Solisten immer wieder und sehr gerne hierher kommen. Unsere nächste Saison jedenfalls steht, und das 2012er-Festival ist im Werden. Da mein jetziger Vertrag allerdings nur bis 2011 läuft, habe ich dafür noch gar keinen offiziellen Auftrag. Es gibt bislang nur mündliche Absichtserklärungen.

Woher kommt das Publikum des Festivals?

Natürlich möchte ich vor allem die Menschen aus dieser Region erreichen. Aber die Qualität des Festivals hat sich in weiten Kreisen herumgesprochen. Es gibt ja viele Straussianer. Musikfreunde, die gleich für ein paar Tage hierher kommen und einfach alles besuchen. Das finde ich doch sehr schön. Schließlich muss man Garmisch-Partenkirchen nicht immer nur als Sportstadt sehen. Genauso übrigens wie Innsbruck.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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