Die Verwöhnten locken

- 65 Galerien öffnen vom 13. bis 15. September ihre Pforten: Zum 14. Mal findet die Open Art in München nach bewährtem Muster statt. Eine gemeinsame Präsentation im Rathaus bildet den Auftakt, ansonsten wird ein Bus- und Führungsservice helfen (s. nebenstehenden Text), die Vielfalt zu erkunden. Das Konzept der "Initiative von Münchner Galerien Zeitgenössischer Kunst" erläutert Vorstandsmitglied Susanne Albrecht.

<P>Gibt es heuer ein Thema oder einen gemeinsamen Tenor für die Open Art?<BR>Albrecht: Wir haben kein Thema geplant, weil eine Einigung aller bisher zu schwierig war. Was die Open Art zusammenhält, ist die Ausstellung in der Rathaus-Galerie. Hier können die Galeristen etwas Persönliches vorstellen, diesmal unter dem Motto: "Mein erstes Bild". Die Idee dazu kam von Walter Storms.</P><P>Was war Ihr erstes Bild?<BR>Albrecht: Ich war zwölf, ging mit meiner Mutter zu einem Trödler und sah da eine Zeichnung von einem Jungen, ganz zart und mit wenigen Strichen _ die musste ich unbedingt haben. Irgendwann fiel das Bild dann in Ungnade, ich habe es nicht mehr. Zur Ausstellung habe ich jetzt ein Bild gegeben, das mich sehr fasziniert, das ich aber nicht erklären kann. Die meisten Galeristen haben wohl ihr erstes Bild nicht mehr.</P><P>Wie läuft im Vorfeld die Organisation für die Open Art ab?<BR>Albrecht: Die Galerien sind eigentlich ständig mit Vorbereitungen beschäftigt. Generelle Fragen zum Ablauf und zur Werbung sind beim 14. Mal schon geklärt, es wird aber immer die Terminfrage diskutiert. Ein Streitpunkt ist auch, ob man ein Fest machen soll. Nach den schlechten Erfahrungen am Anfang waren viele dagegen. Jetzt gibt es eine kleine Party am Samstagabend. Und Dauerthema ist die Frage: Sollen wir zur Open Art noch andere Veranstaltungen anbieten oder nicht?</P><P>Was würden Sie bevorzugen?<BR>Albrecht: Ich würde ganz München mit einbeziehen, das Lenbachhaus, die Pinakotheken etc. Damit soll man versuchen, auch Leute von außerhalb zu locken. Das wurde aber regelmäßig abgewehrt mit dem Argument, wenn in anderen Häuser etwas stattfindet, dann kommen keine Besucher mehr in die Galerien. Die Open Art hat zwei Parteien: Die einen sagen, es soll ein Event werden, für das auch Sammler nach München kommen. Die anderen meinen, es ist eine Veranstaltung der Galerien, ein Tag der offenen Tür. Da will man Gäste, die sonst nicht ihren Weg in Galerien finden, und davon sollte nichts ablenken.</P><P>Was schwebt Ihnen denn als Event vor?<BR>Albrecht: Ein gemeinsames Thema wäre schon toll, man könnte gut Vergleiche ziehen.<BR>Verstärkt das nicht die Konkurrenz unter den Galerien?<BR>Albrecht: Konkurrenz belebt das Geschäft. Je mehr Interessantes angeboten wird, desto mehr Besucher kommen auch. Es ist doch nur zu wünschen, dass viele gute Ausstellungen hierher kommen. Mein Traum wäre darüber hinaus die Zusammenarbeit mit den großen Ausstellungshäusern, eine Eröffnung im großen Rahmen.</P><P></P><P>Gäbe es dann nicht große Ähnlichkeiten zur Museumsnacht?<BR>Albrecht: Vielleicht ja. Aber die Museumsnacht will die Massen ansprechen. Wir könnten mit einer anspruchsvollen Veranstaltungsreihe auch die ansprechen, die verwöhnt sind und etwas Besonderes wollen.</P><P>Wäre das zu finanzieren?<BR>Albrecht: Wir bräuchten dafür Partner mit einem gewissen Budget. Der finanzielle Rahmen stand heuer ohnehin auf wackeligen Beinen. Wir bekommen von der Stadt 30 000 Euro Jahresbudget. Davon werden die zweimonatlichen Faltblätter gedruckt. Für die Open Art reicht es gerade noch für die Kataloge, die Führungen und die Shuttlebusse. Dazu kommen Werbung, Plakate, Karten, Aufkleber und Pressemappen sowie die Versicherung für die Rathausgalerie.</P><P>Welchen Sinn macht für Sie die Open Art so, wie sie bisher läuft?<BR>Albrecht: Sie hat eine positive Funktion. Nach der Sommerpause markiert sie einen Punkt, ab dem wieder etwas los ist. Das direkte Ergebnis ist nicht sehr groß, aber der Termin ist psychologisch sehr wichtig.</P><P>Was bieten Sie heuer an? Ein eigenes Event?<BR>Albrecht: Meine Künstlerin aus Mexiko ist anwesend, und ich zeige auch ein Video. Mó´nica Cá´stillo, die jetzt in New York arbeitet, ist in der Nähe von München in einem Internat aufgewachsen und hat einen starken Bezug zu Deutschland. Ihre Arbeit aber ist in Mexiko verwurzelt. Dort trifft die europäische Kultur mit der der Indios aufeinander. Cá´stillo lebt dadurch im Bewusstsein, dass alles relativ ist. Die Selbstporträts zeigt sie in Abhängigkeit von der Kultur. Sie fragt nach Identität. Sie hinterfragt auch den mexikanischen Realismus. Sie inszeniert ihre Fotos, bemalt beispielweise Rasenstücke und bricht so mit der Wirklichkeit und bringt Mystik hinein. Dadurch wird die Malerei wieder spannend.</P><P>Beherrschen diese Themen auch das weitere Konzept für Ihre Galerie?<BR>Albrecht: Ja. Es geht immer um die Frage nach einem Bild, einem Abbild unserer Zeit.</P><P><BR> </P>

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