Tragödie am Karlsfelder See: 24-Jähriger stirbt

Tragödie am Karlsfelder See: 24-Jähriger stirbt

Verwunschene Räume

- Entdeckungen auf der Open Art, dem Feier-Wochenende von 65 Münchner Galerien (ab heute Abend): Da ist man bei der Galerie Jaspers genau richtig: In den verwunschenen Räumen von Claudia Reimann kann man neue Ebenen erspüren, sich Geschichten zusammenspinnen, Transparenz und konkrete Zeichnung zugleich erleben. Doch wird man nie ganz hinter das Geheimnis der fast neonleuchtenden Bilder kommen. Die Braunschweigerin spielt mit architektonischem Gefüge und Straßennamen und konfrontiert das mit massiven Eingriffen in die Fläche, in Vorder- und Hintergrund. In einem Wohnzimmer werden in den ockerfarbenen Teppich rote Stuhlumrisse eingeschrieben, türkis leuchtet die Wand dahinter: Es geht drunter und drüber. In vielen anderen Acrylbildern werden Treppen und Gänge zu einem verschränkten Rätsel. Im Triptychon "Augustenstraße" werden die sterilen Insignien einer modernen Gesellschaft zu grüngelben Stimmungsräumen, die gespenstisch korrekt und menschenleer einem Gleichnis ähneln (bis 8.10., Theresienstr. 58, Tel. 089/ 27 18 393).

Wo Glocken läuten

Die nächste Überraschung wartet in der Galerie Rüdiger Schöttle. Hier hat Martin Creed seine Installation noch bis zuletzt in die Räume eingefügt und präsentiert eine skurrile Mischung aus Video, Sound und Requisiten. Dem Engländer geht es um Dinglichkeit und die Prozesse der Arbeit. Dieses Mal hat er die Fähren des italienischen Alcudi als Motor in seine Bezugswelt eingefügt, die sich als Teil eines systematischen Lebenskunstwerkes der leichten Zugänglichkeit entzieht. Da hat es der Betrachter bei Frank Nitsche einfacher.

Das ist abstrakte Malerei in linearer Perfektion. Elegant spannen sich Bildgerüste wie Bauträger durch die Formate, geben Farbflächen frei, ziehen Bögen, schneiden Ecken und Kurven und Tiefe hinein. Grau plus ein, zwei Farbwerte, pastellig, kalkig, erzeugen eine Mischung aus Sachlichkeit und leiser Wärme (bis 22.10., Amalienstr. 41, Tel. 089/ 33 36 86).

Verlassene Orte sind das Thema von Zafos Xagoraris. Kriege, Minenfelder, politische oder wirtschaftliche Krisen wie beispielsweise die Teilung von Zypern Dörfer in trostlose Überreste verwandelt. Der Grieche macht daraus wieder Plätze des Lebens, des Überdenkens. So wird in der Galerie Franç¸oise Heitsch ein spezifisches Hör- und Seherlebnis ermöglicht, das die Morbidität des Themas verwandelt in eine spannende Interaktion. In zwei Iglu-artige Rechtecke hat Xagoraris Glocken eingebaut, die zunächst gedämpft, über eine Hörmuschel massiv von Leben künden. Das große Tafelbild, ein Land mit wuselnden Menschen und einem unterirdischen Klangsystem, steht stellvertretend für den Raum. Ihn können Glocken als Künder eines sozialen Systems erreichen, zentrieren und abgrenzen. Zum ersten Mal überträgt der Künstler seine Eingriffe in stille Orte und die akustische Wiederbelebung in den Innenraum. Aus dem lokalen, wohlkalkulierten, politischen und sozialen Ansatz wird ein packend allgemeingültiger (bis 8.10., Türkenstr. 34, 089/ 48 12 00).

Konkreter Klassiker

Mit Joseph Kosuth präsentiert die Galerie Sprüth / Magers den Vorreiter der konzeptionellen Kunst, der sich seit vierzig Jahren mit der Rolle der Sprache beschäftigt. Die Rückschau auf die Zeit von 1965 bis 1970 hat dabei nichts von ihrer Grundsätzlichkeit in Sachen philosophischer Fragen verloren. Als Einstieg wurde der "Information Room" (1970) rekonstruiert: Literatur über die Logik, Zeitschriften sowie Dokumentarisches laden zum Lesen ein. Danach ein kleiner Überblick: Die "One and three Saws" (1965) demonstrieren anhand von Objekt, Foto und Definition die Begrifflichkeit. Auch der "Function"-Raum oder die "Investigations" spielen mit lexikalischen Einträgen, ihrer Vagheit und Konkretisierung sowie dem Bezug zum Bild. In einem blauen Neon-Schriftzug gipfelt die sich selbst definierende Ästhetik der Sprache visuell und gedanklich (bis 20.10., Schellingstraße. 48, Telefon 089/ 33 04 06 00).

Konkret und klar wird es in der Galerie Klaus Lea: Menschbilder, massiv mit der Kettensäge aus Holz gearbeitet, bevölkern die zwei Räume. Clemens Heil aus dem fränkischen Schwabach zeichnet für die Balance aus grober Form und leichter Pose verantwortlich. Das Eigentümliche dabei ist die Farbe auf den Holzskulpturen, die rau in die Maserung eindringt wie bei der Frau mit blauem Hemd und knallgrüner Hose. Auch die schwarzen Krähen vor blauen Tafeln, ursprünglich 140 Stück, sowie die Wäsche an der Leine sind bunt und vereinfacht lebensnah - und sollten beim Stadtfest ein wenig italienisches Flair zaubern. Dem gegenüber stehen die fransigen, verwegenen, abstrahierenden und doch konzentrierten Porträts, die freiesten und besten Arbeiten Heinls. Die eigenwilligsten dürften allerdings die Materialmischungen aus Holz und Bronze sein (bis 2.10., Blütenstr. 1, Tel. 089/ 27 24 179).

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