Auf verzweigten Wegen

- Den geraden Weg gehen andere Regisseure, nicht Volker Schlöndorff, am heutigen Tag 65 Jahre alt. Der wählte eine sehr impulsiv-verzweigte Route: Weil der 16-Jährige es in Wiesbaden nicht mehr aushält, geht er fortan in Paris zur Schule - und in die Cinémathèque. Schlöndorff ist Regieassistent, zuerst bei Louis Malles "Zazie" (1960); er arbeitet als Simultanübersetzer in der Cinémathèque, unter anderen für Filme von Riefenstahl und Fritz Lang.

<P>Ein Jahr nach seiner Rückkehr aus Frankreich, 1965, feiert "Der junge Törless" Premiere, die erste Literaturverfilmung, der erste internationale Erfolg. 1975, nach Verfilmungen unter anderem von "Michael Kohlhaas" und "Baal", folgt "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", in gemeinsamer Regie mit seiner Frau Margarethe von Trotta.</P><P>Mal die Idylle aus der Ferne, mal mittendrin in lärmender Groteske _ am wichtigsten seien ihm die Zwischentöne, betonte Schlöndorff einmal, demonstrierte dies schon immer in einer breit-schattierten Arbeit, in meist gesellschaftskritischen Outsider-Stoffen. Und wurde weltberühmt: 1980 erhält er für seine Grass-Adaptation "Die Blechtrommel" den "Oscar" für den besten ausländischen Film. Den Oskar für die Filmrolle aber musste Schlöndorff lange suchen, wie Hauptdarsteller Mario Adorf sich erinnert, ehe ihn jemand auf den elfjährigen, wachstumsgestörten David Bennent aufmerksam machte. Ein Jahr vor Drehbeginn wurde Schlöndorff plötzlich "käsebleich": Bennent wuchs.</P><P>Die Achtzigerjahre prägen Gruppenfilme wie "Krieg und Frieden" (1983, Regie mit Alexander Kluge, Stefan Aust), vor allem aber Schlöndorffs wechselnde Drehorte - Beirut, Paris, New York (dort "Tod eines Handlungsreisenden" mit Dustin Hoffman), bevor er 1991 mit "Homo faber" einen seiner größten Erfolge hat, mit "Der Unhold" (1995) oder "Palmetto" (1998) dagegen die größten Misserfolge. Von 1992 bis 1997 ist er Geschäftsführer der Babelsberger Studios.<BR>Die versteckte Größe eines Filmemachers liege in der Schauspielerführung, so Schlöndorff. Diese zu zeigen, will er, der bereits in München mit Bölls "Frauen vor Flusslandschaft" und Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" Bühnenerfahrung sammelte, sich nun wieder verstärkt dem Theater zuwenden. Den Anfang machte er mit "Enigma" in Berlin.</P>

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