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Der 27-jährige Victor Petersen als Professor Abronsius.

Deutsches Theater München

Die mit den Vampiren tanzen

München - Victor Petersen, Pascal Höwing und Noah Wili studierten Musical an der Bayerischen Theaterakademie  derzeit spielen sie am Deutschen Theater. 

20 Jahre – so alt wird der Studiengang Musical der Bayerischen Theaterakademie in diesem Jahr. Da ist es nicht nur Zeit zum Feiern, sondern auch, um Bilanz zu ziehen. Und die kann sich sehen lassen. Kaum eine Großproduktion der vergangenen Jahre, in der nicht mindestens ein Absolvent auf dem Besetzungszettel zu finden war. Gleich drei bekannte Gesichter gibt es derzeit beim „Tanz der Vampire“ zu entdecken, der noch bis Mitte Januar im Deutschen Theater über die Bühne geht.

Den alten Professor spielt ein 27-Jähriger

Im Fall von Victor Petersen muss man allerdings schon sehr genau hinschauen: Verkörpert der 27-Jährige doch unter vielen Schichten Maske versteckt den stramm auf die 70 zugehenden Professor Abronsius. „Das ist Fluch und Segen gleichermaßen. Dadurch, dass die Rolle so komödiantisch angelegt ist und kleine Freiheiten hat, fällt es eigentlich leicht, das Ganze auch bei acht Vorstellungen die Woche frisch zu halten. Andererseits ist es gerade körperlich sehr anstrengend. Ich stehe viel auf der Bühne – und das meist in dieser gebückten Haltung. Aber letztlich machen gerade solch extreme Rollen immer am meisten Spaß.“ Wenn einer weiß, wovon er da spricht, dann Petersen. Schlüpfte er doch zuletzt beim Münchner „Chicago“-Gastspiel in den Rock von Klatschreporterin Mary Sunshine. Eine Rolle, bei der ihm auch die parallel zum Musicalstudium absolvierte Ausbildung zum Countertenor zugute kam. „Es war eher ein Zufall, dass man das bei meiner Zwischenprüfung entdeckt hat, und ich hier dann auch zwei Jahre bei Gabriele Fuchs klassischen Gesang studieren konnte. Das wäre an keiner anderen Schule so möglich gewesen, glaube ich. Aber ich habe einfach schon früh beschlossen, dass ich es gar nicht einsehe, mich in irgendwelche Schubladen stecken zu lassen.“ Beim „Tanz der Vampire“ hatte der 27-Jährige sich dennoch nur wenige Chancen auf seine Hauptrolle ausgerechnet. „Aber der Castingdirektor hat dann gemeint: ,Warum eigentlich nicht? Die Maske hilft, und das mit den hohen Tönen ist doch genau deins.‘“

Auch die Zweitbesetzung kommt aus München

Ohne Maske, aber in der Kulisse von „Tanz der Vampire“ (v.li.): Noah Wili, Victor Petersen und Pascal Höwing.

Aber auch an Petersens spielfreien Tagen bleibt die Rolle fest in Münchner Hand. Denn Zweitbesetzung Pascal Höwing beendete hier 2014 erfolgreich seine Ausbildung und rutschte fast nahtlos in seine erste lang laufende Produktion, Udo Lindenbergs „Hinterm Horizont“ in Berlin. „Ja, und dann ging es direkt weiter mit den Vampiren.“ Wobei die Rolle als Abronsius von Anfang an fest anvisiert war. „Man hatte mich speziell für den Professor eingeladen, und die Rolle macht wirklich unglaublichen Spaß. Ich hatte mit meinen Engagements bis jetzt immer großes Glück, denn in unserer Branche kann es auch schnell anders laufen. Das Wichtigste ist, dass man nach dem Studium den Absprung schafft.“

Die Dozenten sorgten für einen Adrenalinschub

Das bestätigt Noah Wili, der dritte Akademieabsolvent im Bunde. „Bei mir lagen knapp zwei Wochen zwischen Abschluss und Probenbeginn. Wir waren übrigens gemeinsam bei den Vorsingen und haben immer Witze gemacht, wie es wäre, wenn wir beide weiterkommen würden. Und jetzt spielen wir hier tatsächlich zusammen.“ Ob sich nach den ersten Monaten die Erwartungen an den Beruf erfüllt haben? „Es ist schon ein hartes Geschäft, aber das weiß man vorher. Wenn man diesen Job macht, dann, weil man es wirklich will und einfach Spaß daran hat.“ Nachdem Wili am Theater des Westens noch im Ensemble spielte, wechselte er für München auf die „Swing-Position“ und deckt neben der Hauptrolle als Alfred noch zehn weitere Partien ab. „Das ist eine ziemliche Herausforderung, weil man zwar immer die gleiche Show spielt, nur eben jedes Mal aus einer anderen Perspektive. Aber inzwischen habe ich jeden Teil mindestens einmal gemacht und kann es wieder genießen. Außerdem ist es nach einem halben Jahr im Hotel in Berlin einfach schön, wieder mal nach Hause in seine eigene Wohnung zu kommen.“

Der Besuch ihrer ehemaligen Theaterakademie-Dozenten in der Show gab beiden einen zusätzlichen Adrenalinschub. „Vor allem, weil wir in der Konstellation nur selten zusammen auf der Bühne stehen. Aber wenn man sich kennt und gut versteht, läuft das einfach.“

Tobias Hell

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