David Schumann, seines Zeichens japanisches Topmodel.

Topmodel wider Willen: David Schumann im Interview

David Schumann erlebte in Japan, dem Land der aufgehenden Sonne, Unglaubliches: Vom punkigen Student, der die Sprache lernen und sich treiben lassen wollte, wurde er zum Topmodel. Seine Geschichte gibt es nun als Buch: „The Tokyo Diaries“.

David Schumann hatte sich das getraut, wovon viele träumen: Er ist einfach abgehauen, hat ein Auslandssemester eingelegt. Nicht in Barcelona, Bologna oder ähnlichen Austauschhochburgen. Nein, Schumann entschied sich für Japan. Das kam zwar nicht von ungefähr, denn als bekennender Japan-Fan hatte er sich bereits in seiner Heimat Köln mit japanischen Filmen, japanischer Musik und der Kultur des Landes beschäftigt. Und dennoch: Tokio ist noch mal ein anderes Kaliber, wie Schumann kurz nach seiner Ankunft feststellen musste -„wirklich wie im Ameisenhaufen“.

Und auch die Einsamkeit machte dem heute 32-Jährigen zu schaffen. „Alles ist in Ordnung, man steht an irgendeinem Bahnhof und wartet auf den Zug, denkt an nichts Böses, und plötzlich trifft es einen, unvermittelt und hart, das Gefühl der totalen Isolation.“

Das Buch-Cover.

Nach und nach findet David sich aber im Gewirr der Stadt und deren festgeschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen zurecht, wird Bandmanager und spielt, wie er es bereits in Köln getan hat, in verschiedenen Bands. Und auch wenn es mit der japanischen Frauenwelt nicht funktionieren will - Schumann beginnt heimisch zu werden.
Besonders unterhaltsam zu lesen sind seine fast täglich zelebrierten Karaoke- und Bierexzesse, die die Skurrilität und Absurdität der Situationen und Personen treffend, aber nie wertend, beschreiben.

Der Trip entwickelt sich zu einem typischen Auslandsaufenthalt. Was dann allerdings passiert, klingt so erfunden und konstruiert, dass es einfach wahr sein muss. Eine Frau spricht ihn auf der Straße an, macht ein Foto von ihm und lädt ihn ein paar Wochen später zu einem Modelcasting ein. Trotz Zweifeln siegt die Neugierde und er schaut vorbei. Drei Wochen später erscheint eine Fotostrecke von ihm in einem großen japanischen Modemagazin. Das ist der Beginn seiner Modellkarriere in Japan.

Ein Zufall beförderte seinen Aufstieg: Er hatte ein Casting glatt verschlafen und kam ungekämmt und in seinen Punkklamotten - nicht wie sonst rasiert und im weißen Hemd. Bingo. Wie sich herausstellte suchten die Modelscouts in Japan den rebellischen Look. Auch die Tätowierungen, die seine Arme zieren, machten ihn in Japan außergewöhnlich, denn dort tragen den Körperschmuck hauptsächlich Kriminelle, nicht jedoch Studenten. „Von dem Moment an entscheide ich mich, nur noch prollig, Tattoos zeigend und mit >>Fuck You<< - Attitüde zu den Castings zu kommen“, schreibt er. 

Mit Erfolg, denn David bietet eine Mischung, „die definitiv mehr knallt als ⅓ Heizöl und ⅔ Benzin“. Und so läuft er exklusiv auf der Japan Fashion Week, für Dolce & Gabbana, Stüssy und verschiedene japanische Modefirmen. Dabei beschreibt er den Modezirkus lakonisch lustig, dass man sich das ein oder andere Mal nicht zwischen Kopfschütteln und Lachkrampf entscheiden kann.

Was Schumann mit „The Tokyo Diaries“ präsentiert ist nichts weniger als reinste Popliteratur, die sich liest, als hätte Benjamin von Stuckrad-Barre „Lost in Translation 2“ geschrieben. Für alle Japanfans ein Muss.

von Martin Müller 

David Schumann tritt live am Freitag, 18. September 2009, im Ampere in München auf.

 

The Tokyo Diaries, deutschsprachig im Rockbuch-Verlag, 17 Euro.

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