Viel Applaus, aber keine Begeisterungsstürme

München - Die Arie "Gott von Juda" gehörte zu den schönsten Momenten der neu inszenierten Verdi-Oper "Nabucco" in der Bayerischen Staatsoper. Wohl kamen die Sänger an ihre Grenzen, wohl war die Inszenierung keine Offenbarung, und für Individualität war kein Platz. Dennoch ernteten die Spieler ordentlich Applaus.

Mit viel Applaus ist am Montagabend die Neuinszenierung der Verdi-Oper "Nabucco" in der Bayerischen Staatsoper gefeiert worden. Dieser galt vor allem dem Dirigenten Paolo Carignani, Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt. Zu Begeisterungsstürmen riss die etwas spannungsarme Inszenierung von Yannis Kokkos das Publikum indessen nicht hin.

Die Staatsoper legt seit der vergangenen Spielzeit einen Schwerpunkt auf frühe Opern Giuseppe Verdis. Im Mai 2007 hatte man mit "Luisa Miller" begonnen, nun stand die Oper "Nabucco" auf dem Programm, mit der Verdi 1842 an der Mailänder Scala seinen ersten großen Erfolg feierte. Das Werk über den babylonischen König Nabucco (Nebukadnezar) der das Volk der Hebräer unterdrückt und, als er sich selbst zum Gott erklärt, mit Wahnsinn bestraft wird, ist vor allem durch den Gefangenchor "Va pensiero, sull'ali dorate" bekannt geworden.

Dirigent Carignani sorgte für kontrastreiche Tempi und sicheres Zusammenspiel zwischen Bühne und Orchestergraben - nicht einfach angesichts der vielen Chornummern. Schon in der Ouvertüre horchte man auf - akademisch und exakt wurden hier die einzelnen musikalischen Themen charakterisiert und voneinander abgehoben.

Musikalischer Höhepunkt war der berühmte Gefangenchor, der wohl selten so differenziert, schwebend und dabei den vollen Sinn des Textes erfassend (Choreinstudierung: Andrés Máspero) erklang. Publikumsliebling Paolo Gavanelli (Nabucco) blieb schauspielerisch ungewohnt blass, stimmlich stemmte er wie so oft die hohen Töne im Dauerforte. Zu den sehr schönen Momenten gehörte seine anrührende Arie "Gott von Juda!".

Die außerordentlich schwere Partie der Abigaille verlangt Dramatik, eine sichere Höhe und Tiefe, Koloraturfähigkeit, schöne Piani und eine sichere Intonation. Die russische Sopranistin Maria Guleghina, eine der besten dramatischen Koloratursoprane der Welt, stößt mit dieser Partie langsam an ihre Grenzen. Trotzdem ist es immer wieder erstaunlich, wie kraftvoll und doch schön ihre Stimme klingt. Giacomo Prestia (Zaccaria) überzeugte mit seiner vollen und warmen Stimme. Aleksandrs Antonenko (Ismaele) Tenor klingt sehr kehlig. Daniela Sindram (Fenena) zeigte zu Beginn warme Farben, ein schönes legato, bei ihrer Arie kurz vor Ende der Oper wirkte die Stimme nicht mehr voll.

Regisseur Kokkos setzte beim Bühnenbild auf leere Räume, einen offenen, farblich erleuchteten Quader, eine Treppe, einen Zaun mit Stacheldraht. Sparsam wurde die Beleuchtung eingesetzt, ebenso spärlich waren die Requisiten. Die Charaktere wirkten auf sich allein gestellt, so dass der Moment, in dem Abigaille ihrer Halbschwester Fenena die Hand reichte, besonders beeindruckte. Die Hebräer trugen lange schwarze Mäntel, die Assyrer Brustpanzer. Für Individualität blieb da kein Platz. Die Inszenierung war zeitlos - keine Provokation, aber auch keine Offenbarung.

Marie von Baumbach (dpa)

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