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Simon Rattle, hier ganz leger bei einer Probe.

"Das Rheingold" im Herkulessaal

Viel Eleganz statt Imponiergehabe

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München - Im Rahmen des Merkur-Konzertabos interpretierte das BR-Symphonieorchester unter Sir Simon Rattle im Herkulessaal „Das Rheingold“.

Für die Waldorf und Statlers unter den Gralshütern der Romantik, für jene Muppet-Opas der Oper ist es der perfekte Anlass zum Ätzen. Sir Simon Rattle und Richard Wagner, das gehe nicht zusammen. Weil, weil – ja warum? All das Gerede um den „deutschen Klang“, dessen die Berliner Philharmoniker angeblich verlustig gegangen sind, ist doch letztlich nur eines: eine Klischee-Beschwörung, ein Festhalten an etwas, das zur falsch verstandenen Tradition geronnen ist – nachzuhören gerade bei einem solchen Gastdirigat.

Rattle und „Das „Rheingold“ im Rahmen einer konzertanten Aufführung beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das bedeutet auch zweieinhalb Verweigerungsstunden. Kein Imponiergehabe also, kein Meißeln an Klangskulpturen, keine präpotenten Effekte. Was es dafür im Herkulessaal gibt: viel Eleganz und Noblesse, eine gute Balance zwischen Bläsern und Streichern, ein geschmeidiges Espressivo, ein flexibles aufeinander Eingehen, ein scheinbar entspanntes Kammermusizieren. Ganz anders demnach als kürzlich beim trennscharf auftrumpfenden Kirill Petrenko zweihundert Meter weiter.

Sicher: Die Zwischenspiele werden von Rattle für symphonische Detailarbeit gern genutzt. Es gibt aber nur wenige Stellen, an denen das BR-Orchester auspackt. Bezeichnenderweise sind das nicht die letzten triumphalen Minuten, die hier mit einer selten gehörten Wärme und Fülle gespielt werden: Die Dezibel-Klimax fordert Rattle in der vierten Szene, wenn Alberich wütend seine Nibelungen zurück in die Höhlen schickt – der dämonischste Moment.

Viel hat das alles zu tun mit dem Selbstverständnis von Rattle. Kein Domi-, sondern ein Motivator ist da am Werk, ein animierender Kollege. Einer, das ist die Kehrseite, der manchmal zu freundlich abruft und früher nachfassen sollte, wenn sich Ungutes anbahnt: Zumindest in der Aufführung am Freitag, im vierten Konzert des Merkur-Konzertabos, flogen Späne. Orchestrale Irritationen gab es, auch kleine Blackouts auf Sängerseite.

Michael Volle dürfte sich darüber besonders geärgert haben: Sein Wotan ist in seiner Vielschichtigkeit die zurzeit interessanteste Göttervaterstudie. Ein Boss ohne Sockel, leicht erregbar, nie in Würde erstarrt, stimmlich mit großer Spannweite vom fast liedhaften Gestalten bis zur heldenbaritonalen Entladung. Eine Nonplusultra-Besetzung auf allen Positionen hat sich der BR also geleistet: Tomasz Konieczny, dessen Alberich sich in die Gehörgänge bohrt. Burkhard Ulrich, dessen eloquenter Loge keine Karikatur ist. Peter Rose, der den Fasolt so kultiviert wie prägnant singt. Elisabeth Kulman, die als Fricka raumgreifend ausstrahlt, ohne dass Zickenalarm droht. Janina Baechle mit ihrer enormen Erda-Autorität. Auch all die anderen bis hin zu den kurzfristig eingesprungenen, unerschrockenen Rheintöchtern Mirella Hagen und Stefanie Irányi. Langer Jubel im stickigen Saal – immerhin Letzteres garantiert fürs authentische Bayreuth-Gefühl.

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