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Hommage und tagesaktuelle Satire in einem: Urban Priol, Georg Schramm und Jochen Malmsheimer (v. li.).

Mit viel Liebe und Esprit

München - Urban Priol und Jochen Malmsheimer feiern im Münchner Circus Krone ihren Freund und Kollegen Georg Schramm.

„Der ,Anstalt‘ entsprungen“ lautet der Untertitel dieser Veranstaltung – man erwartet also, dass drei prominente Ehemalige des ZDF-Satireformats nun, befreit vom Quotendruck, durch die Lande ziehen und zeigen, dass sie’s immer noch können. Doch dieser Abend im Münchner Circus Krone entpuppt sich schnell als etwas ganz anderes, als „Generalprobe“ für den (Bühnen-)Abschied eines der drei Stars. Urban Priol und Jochen Malmsheimer bereiten den Abgang von Georg Schramm alias Lothar Dombrowski vor, ein Finale mit Ehrengästen, Reden und Feuerwerk.

An diesem Zauber ist – leider – etwas Wahres dran, Schramm, heuer 65 geworden, will tatsächlich in Pension gehen. Der gewaltige Rest ist eine grandiose Inszenierung, eine mit viel Liebe und Esprit erschaffene Hommage an einen großen Kabarettisten und dabei, Ehrensache, wunderbar unsentimental. Priol und Malmsheimer lassen nichts aus in ihrer gespielten Improvisation, sie sparen nicht mit kleinen Sticheleien gegen den zu Ehrenden, der doch bekanntlich „eines gar nicht mag, und das ist Rummel um seine Person“.

Ein Laudatio-Versuch als Büttenrede, diverse Frotzeleien über den „Mann mit der Lederhand“, ein bisschen Volkes Stimme („Der Schramm ist doch der Letzte, der sagt, wie’s ist.“), Wortspiele, Parodien – wie Reis aufs Brautpaar regnet das alles herab auf den stets finster dreinblickenden Jubilar. Am Ende wird ein purpurrot ausgeschlagener Thronsessel herbeigeschafft – ein besonders bizarres Bild.

Zum Glück für alle Beteiligten erschöpft sich dieses Programm nicht in der augenzwinkernden Würdigung eines Lebenswerks, es ist zugleich tagesaktuelle Satire. Denn die drei sind viel zu sehr ihrer Kunst verpflichtet, als dass sie nicht die Gelegenheit nutzten für mitreißende Soli und sich dabei dezent vom eigentlichen Anlass entfernen. So spannt Priol – bisweilen atemlos – einen weiten Bogen vom Irak über die Ukraine bis nach Deutschland, arbeitet sich ab an Angela Merkel und der EU, geißelt die Verehrung für bestimmte Steuersünder und charakterisiert in einer raffinierten Mischung aus feiner Analyse und süffiger Volkstümlichkeit die unterschiedlichen europäischen Mentalitäten. Auch Malmsheimer nimmt den sprichwörtlichen Schramm’schen Furor zum Anlass für ein zeitgeistkritisches, beeindruckend wort- und bildgewaltiges Donnerwetter über die Verarmung der Sprache, über die ansteigende Flut der „Scheiße im Netz“ und macht sich stark für eine Renaissance des Duells.

Und Schramm selbst? Ist „des Formulierens überdrüssig“, hadert damit, dass „alles schon gesagt“ ist, von anderen und viel früher. Und trotzdem – noch einmal schleudert sein Alter Ego Lothar Dombrowski bittere Wahrheiten über den weltweiten „Krieg – nicht Jung gegen Alt, sondern Arm gegen Reich!“ heraus, über die Profitgier der weltweit operierenden Banken und Konzerne. Am Ende taucht sogar August, der alte Sozialdemokrat, noch einmal auf – Auftakt zu einem traurigen, durch „Sidekick“ Urban Priol virtuos aufgepeppten Abgesang auf die SPD. Darüber wird sich der aktuelle Parteivorsitzende nicht freuen können.

Ein wichtiger, ein kostbarer Abend. Mit dieser einmaligen Abschiedsvorstellung wird sich das Kabarettpublikum nur abfinden können, wenn sie ad infinitum gespielt wird.

Rudolf Ogiermann

Weitere Vorstellungen

u. a. in Aschaffenburg (2. 7.), und Nürnberg (3. 7.), nur noch Restkarten.

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