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Nach mehr als 30 Karriere-Jahren noch immer auf der Bühne zuhause: Nena.

Interview zu "Oldschool"

Nena mit neuem Album: Viel mehr als "Lieder von früher"

München - 16 Studioalben hat Nena schon veröffentlicht. Jetzt hat sie ein neues aufgenommen – und klar, ist es auch auf Vinyl erhältlich.

Man kann es sich gut vorstellen, wie sie nachts durchs Wohnzimmer tanzt, zur Musik von den ganz Großen. Zu David Bowie, Pink Floyd, Supertramp, den Allman Brothers. All die alten Lieblings-Platten; bestimmt knistern einige schon vom vielen Hören. Und bestimmt findet sie genau das besonders schön. Nena, deren erste eigene Platte selbst längst auch zu den Klassikern gehört. Die erschien 1983 und trug einfach ihren Namen. Zuvor, 1980, hatte sie als Sängerin der Band The Stripes zwar ein Album eingespielt, das aber war kein Erfolg. Nach „Nena“ folgten 15 weitere Studioalben, nun hat sie ein neues aufgenommen – und klar, ist es auch auf Vinyl erhältlich.

Der Titel: „Oldschool“. Selbstironisch brüstet sie sich in der gleichnamigen Single: „Mein erstes Album ist seit 34 Jahren draußen, es ist so alt, man kann’s nicht einmal mehr im Laden kaufen.“ Ganz schön cool. Wie die Sängerin selbst. Unfassbar, dass sie im März 55 Jahre alt wird, mehrfache Oma ist. Zwar kündigt sie in „Ja, das war’s“, dem vierten Lied der neuen Platte, an, dass sie noch singen werde, wenn sie in Rente ist – doch das Wort Ruhestand, das mag man mit ihr gleich gar nicht verbinden.

Zum Gespräch empfängt sie mit großer Sonnenbrille in ihrem schmalen Gesicht, in enger Hose und leichter Bluse. Modisch, also alles andere als „oldschool“, aus der Zeit gefallen. Der Platten-Titel – eine Kampfansage an den Jugendwahn? „,Oldschool‘ ist für mich ein ganzheitliches Gefühl, das die Vergangenheit in die Gegenwart holt. Vergangenes schwingt ja immer mit. Was ich erlebt habe, ist ein Teil von mir“, sagt Nena, die eigentlich Gabriele Susanne Kerner heißt, doch ein „Frau Kerner“, das käme einem ihr gegenüber nicht über die Lippen. Zu sehr verbindet man sie mit Keller-Partys, „99 Luftballons“, knallbunten Klamotten, Jeansjacken, Schrillem – Nena halt.

Obwohl sie längst nicht mehr die Göre Anfang 20 ist, die in den Achtzigern der ganzen Welt durch die Walkman-Kopfhörer den Kopf verdrehte. Die Achtziger, sie klingen trotzdem auch auf der neuen CD durch. In den Elektrobeats, produziert von Rapper Samy Deluxe; in ihrer eigenen, kaum veränderten Stimme, die zwischen Sprechen und Singen schwebt und immer so etwas Wehmütiges, Gedehntes in sich trägt; und in den Texten. Denn „Oldschool“ ist eine Zeitreise durch die vergangenen drei Jahrzehnte.

Hier erzählt Nena von der „analogen Handarbeit“, die es früher noch brauchte, um Musik zu produzieren; von ihrem Sohn, der mit nur elf Monaten starb, den sie aber im Herzen immer mit sich trägt („Bruder“); und von ihren Lieblings-Platten („Lieder von früher“). Die legt sie sich tatsächlich manchmal mitten in der Nacht auf. Ihr kleiner Trip in die Vergangenheit. „Zeitreisen sind schön. Meine Kinder fragen mich manchmal nach meinen Liedern von früher und ich erzähle gerne“, sagt der Star der Neuen Deutschen Welle. Schwingt da auch etwas Nostalgie mit? „Nein, wehmütig macht mich das nicht.“

Denn eines hat sie in den Jahren gelernt – dass man das Vergangene nicht hinter sich lassen kann. „Mich von meiner Vergangenheit trennen zu wollen, heißt auch, mich selber nicht zu schätzen für das, was bisher war.“ Wenn sie also singt: „Ich bin oldschool und das ist gut so“, dann ist das ein ziemlich lässiger Appell, das eigene Leben so anzunehmen, wie es ist. Die Jahre gelten zu lassen. Mit all den guten und schlechten Erinnerungen.

Von Katja Kraft

Nena: „Oldschool“ (Sony).

Nena stellt ihr neues Album am 15. März im Münchner Technikum, Grafinger Str. 6, vor. Karten gibt es unter Telefon 089/ 54 81 81 81.

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