Zu viel Schönklang

- Man könnte dem Münchener Bach-Chor zugute halten, dass er in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sich selbst und seinen Abonnenten gegenüber pragmatisch denkt und deshalb gleich zwei Konzertabende (Schütz/ Reger und Mozart) in einem Programmheft zusammenfasst. Ob das entstandene, plakativ-langweilige Erzeugnis bereits als Omen für die Aufführung von Mozarts "Vesperae solennes de confessore" und dem Requiem in der Münchner Philharmonie unter Leitung von Bruno Weil zu gelten hatte, sei dahingestellt.

Im fast allein dem Chor vorbehaltenen "Dixit Dominus" aus Mozarts zweiter Vesper brauchte das Ensemble Zeit, um sich frei zu singen. Überhaupt klangen die fünf Psalmen samt dem abschließenden Magnificat merkwürdig gleich. Von mozärtlichem Zauber und seiner Poesie war wenig hörbar. <BR><BR>Dass Mozarts Requiem ein Werk ist, das von persönlicher Todessicht und -nähe, Klage über die Vergänglichkeit und Jenseitshoffnung kündet: auch davon wenig zu spüren. Bereits dem Introitus mangelte es an Suggestionskraft. Die Intensität der anschließenden, gewaltigen Kyrie-Fuge beschwor Weil vor allem durch wildes Dirigat. Mit enormem Tempo und wenig nuanciert stellte der Chor im "Dies irae" die Schrecken des jüngsten Gerichts dar. Im "Rex tremendae", immerhin Angstruf der sündigen Menschheit vor dem Weltenrichter, kam dieses Bangen beim Hörer kaum an. Dem "Confutatis" fehlte Dramatik, dem schwermütigen "Lacrimosa" die innere Faszinationskraft. <BR><BR>Viel zu stark setzte Bruno Weil mit dem Chor und dem Bach-Collegium München auf Schönklang, auch die Solisten enttäuschten: Elisabeth Scholl (Sopran), Britta Schwarz (Alt), Lothar Odinius (Tenor) und der erst 22-jährige Timm de Jong (Bass) wirkten nicht homogen und - abgesehen von Elisabeth Scholl - stimmlich nicht souverän. <BR>

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