Zu viel Stimme

- Münchner Opernfreunde kennen und schätzen Anja Harteros, die als Arabella und Alcina, Traviata und "Tannhäuser"-Elisabeth begeisterte. Nun lud sie zum Liederabend nach Garmisch-Partenkirchen, wo sie beim Richard-Strauss-Festival Lieder des Meisters mit solchen von Mozart, Beethoven und Schubert konfrontierte.

Mit Wolfgang Rieger als Partner am Klavier hat die junge Sängerin das große Los gezogen. Seine pianistische Finesse, sein Einfühlungsvermögen, seine künstlerische Gestaltungskraft bieten ein ideales Fundament für die sängerische Interpretation. Anja Harteros nutzte diese Chance und beschwor Momente großer Dramatik in Beethovens "An die Hoffnung" ebenso wie die innige Schlichtheit des Strauss'schen Schlafliedes "Meinem Kinde".

Jedoch schien sie stimmlich auf einen größeren Raum programmiert und sang durchweg mit zu viel Stimme. In der trockenen Akustik des Garmischer Saals wäre weniger mehr gewesen.

Aber die (Liederabend-)Erfahrung, vor allem an der Seite Riegers, wird Anja Harteros Nuancierungskunst herausfordern, ihr helfen, flexibler auf den Raum zu reagieren. Der Farbenreichtum ihres bis in die Tiefe wohl gerundeten Soprans jedenfalls beeindruckte. Ebenso die Klarheit der Linienführung, die gute Diktion und die kluge Zusammenstellung des Programms.

So steigerte sich die flammende Leidenschaft aus Mozarts "Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte" zu Beethovens fast schon "Leonoren-Dramatik", durchmaß die Sängerin Schubert-Stimmungen bis hin zur freudigen "Seligkeit".

Schließlich vereinigten sich Riegers Anschlagszauber und Harteros' klangschöne Aufschwünge, ihre Ausdrucksintensität und führten zu Strauss-Höhepunkten mit "Ruhe, meine Seele!", "Befreit" und Zugaben.

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