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Alexej Jawlensky: Das Bildnis des Tänzers Sacharoff.

"Der Blaue Reiter" galoppiert wieder

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Das Münchner Lenbachhaus präsentiert seine phänomenale Sammlung mit Werken von Wassily Kandinsky über Franz Marc bis Alexej Jawlensky begeisternd frisch

München - „Man muss das Populäre intellektuell umarmen“, so Matthias Mühling verschmitzt. Der Chef der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau zielt mit der Sentenz auf seine neu konzipierte Dauerausstellung zum berühmtesten Sammlungsbestand des Münchner Hauses. Mit dem Hinweis „Der Blaue Reiter kehrt zurück“ präsentiert man nicht einfach wieder die Heimkehrer von New York bis Venedig. Nein, „Blaue Reiter“-Expertin Annegret Hoberg und Mühling haben die „Blaue Reiter“-Abteilung tatsächlich frisch aufbereitet: Sie hätten sich von Fragen leiten lassen wie: Warum sind diese Bilder so populär? Welche Ideen stehen dahinter? Und auch, was haben wir bisher vernachlässigt?

Da „Der Blaue Reiter“ an sich nicht der Name einer Künstlergruppe ist, sondern der Titel einer Aufsatz-, Bilder- und Noten-Sammlung – als Almanach „Der Blaue Reiter“ berühmt geworden –, steht die dort enthaltene Kunsttheorie, die eine Menschheits-Utopie ist, im Mittelpunkt der Überlegung zu Dauerschau. Per Berührungsbildschirm kann jeder Besucher in dem Büchlein von 1912 blättern, das mit einem bayerischen Spiegel-Hinterglasbild beginnt. St. Martin ist es, der die Barmherzigkeit verkörpert – „und dann erst kommen die Künstler“, unterstreicht der Museumsdirektor. „Der Blaue Reiter“ habe „vorurteilsfrei“ Kunst von Menschen aller Schichten und Altersstufen, Kulturen der ganzen Welt und jede Kunstgattung vereint.

Schon auf dem Weg dahin sei das zu sehen, und zwar in den Reisebildern, den neoimpressionistischen Ölskizzen. Man war mobil, offen, aufnahmebereit. Deswegen nahmen die Künstler Kinderzeichnungen genauso ernst wie Volkskunst, hielten Picasso für so wichtig wie Henri Rousseau, den Naiven. In Juwelen-Vitrinen zeigt sich diese Auseinandersetzung etwa bei Hinterglasbildern; und eine „Ecke“ mit Votivtafeln, Klosterarbeiten oder Veduten-Drucken erzählt von der entsprechenden Sammelleidenschaft Gabriele Münters und Wassily Kandinskys. Danach steigt der Besucher voll ins Schaffen der „Blauen Reiter“ ein, in dem die Farben eben juwelenschön prunken, die Linien und Formen einfach und klar sind wie von Kindern – den bedeutenden Vorbildern der Künstler.

Bei Kandinskys ersten abstrahierenden Gemälden möchte Mühling nun weniger das Ungegenständlich-Werden als das Erzählerische herausstreichen. Niemand soll die Luftballons übersehen, die zum Neunzigsten des Prinzregenten am Königsplatz flogen, nicht den Flügel in „Konzert“ und nicht das Stallmensch, das die „Kuh“ melkt. Dieser Heiterkeitsausbruch wird mit den Kollegen der Neuen Künstlervereinigung (Vorläufer des „Blauen Reiter“) – von Irma Bossi bis Adolf Erbslöh – ergänzt. Sie sind stärker präsent als früher. Das gilt genauso für das übernächste Kabinett, in dem zum Beispiel der Tänzer und Maler Alexander Sacharoff mit bunt sprühenden Collagen aktiv ist. Beibehalten wurde die Weihestimmung um Alexej Jawlenskys „Meditationen“ und um Paul Klees einzigartige Bilder auf schwarz schillernder Seide. Weihe natürlich auch im großen Kandinsky-Saal; neu ist dort jedoch die Hängung mit „kaltem“ Farbklang und dem Paukenschlag des Moskauer Gemäldes der „Rote Fleck“ – das kommt schon toll.

Der Neoimpressionismus ist der eine Elternteil des „Blauen Reiter“, der Jugendstil der andere. Deswegen führt eine zweite Ausstellungslinie von Franz von Stuck und Kandinskys Bildern aus der russischen Märchenwelt zum „Blauen Reiter“, zu  dessen Bohème-Leben zwischen Schwabing und Murnau, zur alle Konventionen sprengender Lebensauffassung und harten Arbeit. Dazu gehört Gabriele Münters Disziplin. Selbst als Kandinsky sie verließ, entwickelte sie ihr Schaffen konsequent weiter. Im Lenbachhaus mündet all das im Lob der Kreatur, dem sich vor allem Franz Marc und auch August Macke gewidmet haben. Nebenan kann sich der Besucher informieren, zeitgenössische Musik hören und Lotte Reinigers Scherenschnitt-Film genießen.

 Di.–So. 10–18 Uhr;

Telefon 089/ 233 320 00. (Siehe auch das Angebot unserer Zeitung: www.heimatshop-bayern.de/kunst.)

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