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Ab dem Jahr 2020 wird der Gasteig renoviert - nur: Wo sollen die Mieter während der Sanierungsphase hin?

Vier Optionen 

Gasteig-Sanierung: Die Suche nach dem Ausweichquartier

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München - Soll die Ausweichspielstätte für den Gasteig eher zentral liegen? Oder doch weit außerhalb des Zentrums? Über diese Frage entscheidet demnächst der Stadtrat. Außerdem sind Details über die runderneuerte Philharmonie durchgesickert.

Auch an der Schönstraße unweit des Candidplatzes in Giesing könnte das Holztheater errichtet werden.

Zumindest zweierlei steht nun fest: Eine Fahrt nach Aubing, zum ehemaligen Heizkraftwerk, müssen die Konzertbesucher nicht auf sich nehmen. Und auch das Wachküssen des Kongresssaals am Deutschen Museum, wenigstens für eine Übergangszeit, bleibt ein Traum. Für letztere Lösung hatten sich Veranstalter wie Andreas Schessl starkgemacht, die ihre Kunden nicht in Gefilde fern des Zentrums schicken und eventuell sogar Zulauf verlieren wollen. Aber wohin nun während der mehrjährigen Sanierung des Gasteigs? Entschieden werden soll über das große Vorhaben am 5. April im Stadtrat. Das Gremium will dabei unter anderem einen Planungswettbewerb auf den Weg bringen.

Der Parkplatz am Finanzgarten war schon eine der Varianten für den neuen Konzertsaal.

Die Vorbereitungen für dieses Votum sind in vollem Gange. Derzeit werden die Fraktionen mit den Vorstellungen einer Arbeitsgruppe um den künftigen Gasteig-Chef Max Wagner bekannt gemacht, er tritt am 1. März sein Amt an. Während der Sanierung des Kulturzentrums soll ein hölzernes Ersatzgebäude errichtet werden. Andernorts wurden damit beste Erfahrungen gemacht. Wie gestern berichtet, wird nun doch nicht auf das Genfer Holztheater zurückgegriffen, das als Ersatzspielstätte für die Oper dient. Diese erwies sich als ungeeignet, also will man in München selbst bauen. Das komme, so wurde berechnet, billiger.

CSU-Stadtrat Richard Quaas plädiert für Finanzgarten

Drei Standorte sind dafür übrig geblieben. Dabei handelt es sich um ein Areal in Riem zwischen Olof-Palme- und Graf-zu-Castell-Straße, das sich in städtischem Besitz befindet. Dieses sei zwar weit außerhalb des Zentrums, wie vom Kulturreferat eingeräumt wird, gleichwohl wäre die Verkehrserschließung über U-Bahn und Autobahn gut, auch gebe es einige Gastronomie-Betriebe. Die zweite Variante ist ein ebenfalls städtisches Grundstück zwischen Schön- und Candidstraße, dieser Vorschlag wurde erst vor wenigen Tagen in die Debatte genommen. Eine weitere Lösung wäre die Paketposthalle, doch dort müssten die Eigentümer mitmachen.

Auch für die neue, vierte Variante, die von CSU-Stadtrat Richard Quaas stammt, müsste verhandelt werden. Der Parkplatz am Finanzgarten, ursprünglich für den neuen Konzertsaal im Gespräch, gehört dem Freistaat. Kein großes Problem, wie Quaas findet: „Wir waren städtischerseits dem Freistaat beim Saal hilfreich, nun wäre doch auch im Gegenzug etwas möglich.“ Die Quaas-Variante hat den Vorteil: Sie ist am zentralsten positioniert. „Es ist doch nicht ideal, wenn ich zum Beispiel Pasinger Musikbegeisterte nach Riem schicken muss“, sagt der kulturpolitische Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion. Und auch Valery Gergiev mit seinen Münchner Philharmonikern wäre eher weniger begeistert. Es gehe, so Quaas, auch bei Exil-Lösungen ums Renommee.

An der Olof-Palme-Straße in Riem wäre ein weiterer Ausweichplatz für die Philharmonie.

In diesem Zusammenhang bedauert nicht nur er, dass man sich nicht auf den Kongresssaal einigen konnte. Die Verantwortlichen des Deutschen Museums lehnten das ab, weil man mit dem Raum selbst etwas vorhabe. Nur: Dafür gibt es derzeit weder Geld noch eine konkrete Planung. Ob man mit den Eigentümern der Paketposthalle zu einer Lösung kommt, ist ebenfalls nicht ausgemacht. Zwar laufen schon seit einiger Zeit Gespräche zwischen Stadt und den Investoren. Das Areal wäre verführerisch, da man nicht nur einen Saal, sondern auch die anderen Gasteig-Bewohner Volkshochschule, Bibliothek und Musikhochschule vorübergehend unterbringen könnte. Die anderen Standort-Varianten bieten dafür keinen Platz, hier müssten – übers gesamte Stadtgebiet verteilt – Räume angemietet werden.

Akustik-Papst Toyota will ein riesiges Klangsegel

Die Paketposthalle im Münchner Westen könnte alle Gasteig-Mieter beherbergen.

Wie genau der renovierte Gasteig aussehen soll, darüber wird gerade in den Fraktionen diskutiert. Die Minimallösung, bei der nur marode technische Dinge wie Sprinkleranlage und Kabelkanäle auf den notwendigen neuen Stand gebracht werden, scheint vom Tisch. Ebenso die Maximallösung: Geschätzte 700 Millionen Euro, wird berichtet, würde ein Gasteig-Abriss und Neubau kosten. Immer mehr zeichnet sich daher eine Variante ab, mit der dieser von vielen genutzte, aber ungeliebte Bau entscheidend umgebaut und aufgehübscht wird. Bis zu 450 Millionen Euro wären hierfür zu bezahlen. Zentrales Vorhaben ist die akustische Ertüchtigung der Philharmonie. Dazu wurde bereits Yasuhisa Toyota um eine Einschätzung gebeten. Der Japaner gilt derzeit als Akustik-Papst, hat unter anderem den Klang der Elbphilharmonie kreiert und ist einer der Favoriten für den Konzertsaal im Werksviertel.

Wie zu hören ist, findet Toyota die Philharmonie gar nicht so furchtbar schlecht. Mit einigen Maßnahmen könnte die Akustik verbessert werden. Unter anderem sollen nach diesen Empfehlungen die Wände aufgeraut werden und eine Struktur bekommen. Zudem will Toyota die durchsichtigen Klangsegel entfernen und durch ein einziges riesiges Schallelement ersetzen lassen, das bis über die ersten Sitzreihen reicht. Mehrere Effekte hätte dies: Die Musiker auf der Bühne könnten sich noch besser hören, außerdem würden tiefere Frequenzen begünstigt. Denn das ist das Hauptproblem der Philharmonie, sie klingt quasi unterleibslos. Vom Tisch wäre damit ein weiterer, lang verfolgter Plan – der Saal wird nicht verkleinert.

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