Vier starke Stunden

- "Lulu" zum Beispiel, oder sein "Siegfried". Ruft man sich solche Regie-Taten ins Gedächtnis, dann wundert sich der Opernfan: Diese "Rodelinda" soll auch von David Alden sein? Diese stringent erzählte Schwarz-Weiß-Tragödie, jene vier Stunden, die starke szenische Zeichen in größtmöglicher Ökonomie bieten? In denen also nicht wild bebildert wird, sondern aus der Reduktion Spannung entsteht? Händels Drama um die ausgebootete Königin gehört eindeutig zu den besten Arbeiten David Aldens an der Bayerischen Staatsoper, der - das ehrt ihn - die jüngste Wiederaufnahme selbst betreute.

<P>Intensive Charakterporträts</P><P>Susan Gritton, hier bislang in "Xerxes" und "Cäsar" aktiv, hat nun die Titelrolle übernommen. Und ihre stählerne Attacke, die flackernde Dramatik, mit der die Stimme oft zur Waffe wird, mag Barockgewöhnte etwas verschrecken, entfaltet aber gewisse Logik: Rodelinda, die immerhin ihr Söhnchen als Opfer anbietet, ist ja keinen Deut besser als diese mafiosen Typen, die ständig nach der langobardischen Macht gieren. Mit der Zeit entschärft sich zudem Susan Grittons Sopran, werden Zwischentöne hörbar, womit das Rollenporträt an zusätzlichen Dimensionen gewinnt.</P><P>Die liefert München-Debütantin Sara Mingardo als biestige Eduige ab der ersten Minute: kein Sopran ohne Höhe, der sich als Mezzo verkauft, sondern ein echter, stilsicher geführter, edel timbrierter Alt - der indes im kleineren Haus bessere Wirkung entfaltet hätte. Michael Chance (Bertarido), Paul Nilon (Grimoaldo), Umberto Chiummo (Garibaldo) und Christopher Robson (Unulfo) sind seit der Premiere dabei - Solisten, die barocke Vokalität als Mittel zum intensiven Charakterporträt nutzen. Ivor Boltons Dirigat ist kompakter, finessenreicher, auch abgetönter geworden. Warum führt Repertoirepflege eigentlich nicht immer zu solchen Ergebnissen?</P>

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