Vier Tage in New York: Kultur tanken im "Big Apple"

Von Gabriele Luster - Zum Shoppen nach New York? Die Metropole lockt nicht nur zur Vorweihnachtszeit Kaufsüchtige und Zahltüchtige über den großen Teich. New York ist eine Reise wert auch für all jene, deren Herz für die Musen schlägt: ein Kulturbummel durch den "Big Apple".

Hinter den drei Buchstaben "MET" verbergen sich bekanntlich sowohl das gigantische Metropolitan Museum of Art als auch eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt, die Metropolitan Opera. Ein Besuch des Musiktempels im Lincoln Center thront denn auch als Sahnehäubchen auf der "Kultimer"-Reise, einem intensiven viertägigen Kulturtanken.

Wer befürchtet, dass er in der Mega-City von den Studiosus-Reiseleitern mit Kultur zugeschüttet wird, der irrt. Es bleibt durchaus Zeit - und auch das Hotel am Times Square liegt äußerst günstig - für eigene Unternehmungen. Gleich nach der Ankunft auf dem John F. Kennedy-Flughafen geht es per Bus zum Battery Park, der Südspitze Manhattans, der historischen Keimzelle der Stadt, auch wenn Regen am Ankunftstag dies etwas vermasselt.

Nicht nur der Regen, auch die Neugier treibt die "Kultimer"-Truppe ins Guggenheim Museum, dessen Architektur, eine sich nach oben weitende Rampenspirale von Frank Lloyd Wright, immer wieder fasziniert. Ebenso wie die Sammlung mit ihren Meisterwerken aus klassischer und zeitgenössischer Moderne.

Der zweite New-York-Tag startet mit einer Fahrt zur Upper-West-Side und nach Harlem. Vorbei am legendären Apollo Theater, wo Duke Ellington, Count Basie oder Ella Fitzgerald auftraten und heute wieder gejazzt wird.

Vorbei an den Old England zitierenden Gebäuden der zur Ivy-League (Efeu-Liga) gehörenden Columbia University führt der Weg tiefer nach Harlem. Dorthin, wo schnuckelige Town-Houses an der idyllischen Sylvan Terrace Umzugs-Gelüste wecken und wo ein alter Landsitz bezeugt, dass man sich im nördlichen Manhattan einmal erholen konnte. Das 1765 von Roger Morris im Südstaaten-Stil erbaute, 1810 vom Kaufmann Stephan Jumel gekaufte Landhaus beherbergt ein Museum, in dem Möbel, Silber und Porzellan in die Frühzeit der USA entführen.

Jazz-Session bei freiem Eintritt

Opernfans freuen sich nicht nur auf den abendlichen Besuch der Met, die mit nahezu 4000 Plätzen fast doppelt so groß ist wie das Münchner Nationaltheater, sondern schauen schon nachmittags hinter die Kulissen. Der Abend dann krönt die Reise: Einmal Met-Luft schnuppern!

Dabei ist der Besucher sicher vor einer "modernen" Inszenierung, denn europäisches Regietheater schimpfen die Amerikaner "European Trash" und wollen es an ihrer Met schon gar nicht sehen. Stattdessen lieber eine "Turandot" von Altmeister Franco Zeffirelli, üppig chinesisch bebildert und musikalisch - wie es im Opern-Alltag halt vorkommt - auch nur mit (Hudson-)Wasser gekocht.

Wer darüber hinaus noch jenen Klängen lauschen will, die zu New York gehören wie das Empire State Building oder der Central Park, der muss Harlem ansteuern. Am besten mit einem der zahllosen gelben Taxis, die "St. Nick's Pub" in der St. Nicholas Avenue leicht finden. Dort ist jeden Abend ab 22.30 Uhr Session. Bei freiem Eintritt. Es scheint, als träfen sich hier, im niedrigen, engen Keller die älteren Farbigen aus der Nachbarschaft.

Versunken in die Musik, swingen sie im Takt und tanzen mit einer natürlich-lässigen Eleganz, die Pfunde und Jahre vergessen macht. Auf dem "Podium" treffen sich junge und alte Jazzer. Der singende Hüne mit der Schlägerkappe und dem dicken Schal; der intellektuelle "Student", der seine Posaune meisterlich beherrscht, und sein Kollege, dessen Instrument ein Klebe-Band zusammenhält. Dazu der sich selbst in Verzückung spielende, weiße Pianist und der lässige Drummer. Dieser Jazz ist ebenso authentisch wie der Ort und die Stimmung.

Am dritten Tag steht die 1766 erbaute St. Paul's Chapel in Lower Manhattan auf dem Programm, nur einen Steinwurf vom Ground Zero entfernt. Der Schreckens-Ort wirkt wie eine nüchterne Großbaustelle. Doch die Bilder vom 11. September überfallen den Besucher spontan und lassen ihn nicht los. Wer sich im U-Bahn-Zugang die bunten Bilder anschaut, die Kinder für ihre beim Attentat umgekommenen Eltern malten, muss sich seiner Tränen nicht schämen.

An der Madison Avenue lockt "The Morgan Library & Museum", das Schatzhaus des Bankiers mit erlesener Sammlung und prächtigem Bibliothekssaal (125 000 Bücher). Zumindest auf die Schnelle kann man einen Blick in den Globen-Saal der National Library werfen und dann zum Metropolitan Museum of Art durchstarten. Selbst derjenige, der von der überbordenden Fülle dieses Riesen-Museums, das allein einen Kurzurlaub verschlingen kann, nur die Ägyptische Abteilung schafft, ist überwältigt.

Und zum Abschied einen "Manhattan"

Der letzte New-York-Tag gehört dem MOMA (Museum of Modern Art). Eine deutsche Kunsthistorikerin schafft es, mit klug gesetzten Akzenten Höhepunkte europäischer (Schlemmer, Picasso, Matisse, Cezanne) und amerikanischer Kunst (Pollock, Rauschenberg, Jasper Johns) zu präsentieren. Es bleibt sogar noch Zeit, sich auf eigene Faust vor Jeff Walls Foto-Welten zu amüsieren oder zu gruseln.

Voll gepackt, aber nicht überfüttert mit akustischen und visuellen New Yorker Kulturerlebnissen empfiehlt sich zum Abschied ein Farewell-Drink in der Bar des legendären Waldorf Astoria Hotels. Wie wär's mit einem "Manhattan"?

Informationen:

Telefon 089/ 500 600 oder www.studiosus.com.

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