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„Ich wurde eindeutig nicht gefragt, um dort ein Startheater zu etablieren“, sagt Viktor Schoner. Die Stuttgarter Staatsoper zählt aufgrund ihrer inhaltlichen Arbeit zu den wichtigsten Häusern.

Im Porträt

Viktor Schoner freut sich auf Oper Stuttgart

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Stuttgart - Viktor Schoner, Künstlerischer Betriebsdirektor der Bayerischen Staatsoper, über seine künftige Stuttgarter Intendanz.

Der Entzug könnte noch heikel werden. Denn die Bayerische Staatsoper sei schon so etwas wie eine „Droge“. Mit allen positiven und negativen Aspekten. Sagt’s, lächelt – und winkt gleich wieder ab. Etwas Besseres als Stuttgart konnte ihm, das räumt Viktor Schoner ein, ja gar nicht passieren. Wahrscheinlich hatten ihn, den Künstlerischen Betriebsdirektor am Münchner Max-Joseph-Platz, wirklich nur einige wenige Eingeweihte auf dem Radar. Und als dann vor einer Woche sein Name bekannt wurde als künftiger Stuttgarter Opernintendant, staunte auch manch Experte: Viktor wer?

In München ist der gebürtige Aschaffenburger seit Jahren eine feste Größe als stiller, umso effektiverer Arbeiter im Intendantenschatten des begnadeten Selbstdarstellers Nikolaus Bachler. Dass Schoner nun aus der Deckung der zweiten Reihe an die Spitze eines der wichtigsten deutschen Opernhäuser rückt, empfindet er auch als Vorteil. „Ich meine das jetzt gar nicht eitel, sondern demütig: Ich komme ja aus einer sehr guten zweiten Reihe“, sagt der frisch Gekürte. Gerard Mortier, dem Schoner in Salzburg und bei der Ruhrtriennale beistand, sowie Nikolaus Bachler seien in ihrer großen Verschiedenheit zwei „unglaublich gute Lehrmeister“ gewesen. Ein unbeschriebenes Blatt zu sein, dies hat Schoner daher nicht als Handicap empfunden. „Ich bin keiner der üblichen Verdächtigen – und bringe deshalb auch keine Hypotheken mit.“ Belastet fühlt sich Schoner also weniger – „aber reden Sie in drei Monaten nochmals mit mir“.

Viktor Schoner tritt 2018 sein neues Stuttgarter Amt an.

2018 soll der 41-Jährige am Neckar Jossi Wieler ablösen, der auf eigenen Wunsch „nur“ noch inszenieren möchte (wir berichteten). Wielers Entscheidung kam zu einem Zeitpunkt, als die Stuttgarter Oper zu altem Glanz zurückgefunden hatte. Die Schwaben haben gerade, wie man im Sport sagt, einen „Lauf“. Man betrachte dazu nur diese Saison: zum Auftakt Beethovens „Fidelio“ in einer sehr diskussionswürdigen Deutung Jossi Wielers, später eine „Salome“ (Kirill Serebrennikov), die schon jetzt zu den großartigsten Interpretationen dieses Strauss-Stücks zählt, kürzlich Purcells „The Fairy Queen“ (Calixto Bieito) als Kultaufführung, demnächst „Hoffmanns Erzählungen“ in der Regie von Christoph Marthaler und zum Spielzeitschluss Bellinis „I puritani“, mit denen Hausherr Wieler seinen legendären Belcanto-Zyklus fortsetzen wird: Der Titel „Opernhaus des Jahres“ scheint den Stuttgartern nur noch schwer zu nehmen.

Für Viktor Schoner ist der Amtswechsel in zwei Jahren zugleich der Sprung in eine völlig andere Welt. Hier das Münchner Haus, glamourös, bestens ausgestattet, manchmal bis zur Merkwürdigkeit selbstbewusst und auf große Namen vertrauend – und dort die Stuttgarter Staatsoper, der nicht erst seit der Ära Klaus Zehelein eine Vordenkerfunktion zukommt. Nicht unbedingt die Verpackung ist am Neckar lebens- und theaterentscheidend. Viktor Schoner ist das nur zu bewusst – und sieht es als Herausforderung. „Ich bitte das jetzt nicht misszuverstehen, aber das Stuttgarter Publikum ist legendär für seine Neugier.“ Um völlig verschiedene Traditionen handele es sich bei beiden Häusern, um unterschiedliche Theaterbiografien – auf die man als Intendant gefälligst einzugehen habe: „Ich wurde eindeutig nicht gefragt, um dort ein Startheater zu etablieren.“

Nicht nur was den Intendantenposten betrifft, steht Stuttgart vor dem Umbruch, auch Generalmusikdirektor Sylvain Cambreling hat erklärt, das Haus 2018 verlassen zu wollen. Überraschend kommt das nicht – und ist vielleicht auch notwendig, wenn alles neu positioniert werden soll. Einen Nachfolger auf dem Dirigentenposten kann und will Viktor Schoner nicht nennen, offenbar läuft die Suche erst richtig an.

Doch alle Gedanken und Pläne für das Edel-Haus im Schlossgarten bekommen eine große Einschränkung: Schon bald muss umfassend saniert werden. Rund 340 Millionen Euro will das Land Baden-Württemberg dafür ausgeben, mit sieben Jahren Umbauzeit wird gerechnet. Im kommenden Jahr wird dafür ein städtebaulicher Planungswettbewerb ausgeschrieben – Schoner wurde demnach auch, das hat er mit seinem Münchner Gärtnerplatzkollegen Josef E. Köpplinger gemeinsam, als Umbau-Intendant geholt. Neue, ungewöhnliche Spielstätten als Ausweichquartiere kommen hinzu. Eine missliche Lage? „Ich sehe das bewusst naiv“, sagt Schoner. „Man kann das auch als Chance nutzen, um Projekte zu realisieren, die man sonst nie in Angriff genommen hat.“

Und was Viktor Schoner wohl an München vermissen wird? „Na die Stadt, besonders das Nationaltheater!“ Aber ein Trostpflaster gebe es schließlich: „Max Littmann, der Architekt der Stuttgarter Oper, hat auch das Hofbräuhaus gebaut.“

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