Die Villa vom Gorilla

- In diesen Tagen, 60 Jahre nach der Zerstörung Dresdens, wurde der damals Zigtausenden Toten und Ausgebombten gedacht, aber auch der Vernichtung der prachtvollen Architektur. Zum Gedenken an die kulturelle Trümmerlandschaft, die die Nazizeit in Deutschland hinterlassen hat, lädt diese CD ein: "Ein Stück vom Himmel" vereinigt Lieder jüdischer Komponisten aus den 20er- und 30er-Jahren.

<P>Alle hier Versammelten - Werner Richard Heymann, Friedrich Hollaender, Walter Jurmann, Rudolf Nelson und Mischa Spoliansky - emigrierten. Die meisten wurden im Ausland nicht heimisch, kehrten nach Deutschland zurück und konnten an frühere Erfolge kaum anknüpfen. Zu gründlich hatten die Nazis ihren Kahlschlag auch in der Unterhaltungskultur betrieben, hatten ein Genre, wie wir es heute im Chanson oder italienischen Lied bewundern, fast ausgelöscht.<BR><BR>Unter der Leitung von Regisseur Ulrich Waller und dem Musiker Dietmar Loeffler trugen im Jahr 2002 sieben Schauspieler in den Hamburger Kammerspielen das traurig-schöne, melancholisch-expressive Liedprogramm dieser CD vor, der der Livecharakter besonders gut steht. "Berlin", "Auf der Flucht" und "Heimweh" heißen ihre Abschnitte, die Emigrantenschicksale skizzierend. Unbeschwert naiv seufzt Katja Riemann "Ich wär' so gern ein Sexappeal, sowohl von vorn als auch Profil, zur Hälfte Sex, zur Hälft Appeal", indessen Max Hopp seinen "Gorilla ne Villa im Zoo" haben lässt. Beklemmend in dem fröhlichen Getriebe, wenn das Ensemble einen Text Hollaenders singt, den dieser mit einem "Carmen"-Ohrwurm unterlegt hat: "An allem sind die Juden schuld - ob das Telefon besetzt, ob die Wurst nach Seife schmeckt." Später dann zeugen englischsprachige Lieder vom Exil und stellt Natalia Wörner kühl fest: "Ich habe Heimweh, ich möchte nach Haus." Ein charmanter, nachdenklicher Liederabend, zu Recht auf CD verewigt.</P><P>"Ein Stück vom Himmel": Lieder jüdischer Komponisten (Tacheles!/ Roofmusic).<BR></P><P> </P>

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