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Das Museum Fünf Kontinente hieß bisher Staatliches Museum für Völkerkunde München.

Münchner Völkerkundemuseum

„Dialog auf Augenhöhe“

München - Warum das Münchner Völkerkundemuseum jetzt Museum Fünf Kontinente heißt - wir erklären es Ihnen.

Staatliches Museum für Völkerkunde München wollten die Konservatoren samt Chefin Christine Kron ihr Haus an der Maximilianstraße 42 nicht mehr titulieren. Zu wenige Menschen könnten mit dem Begriff „Völkerkunde“ etwas anfangen. Und wenn, dann würde mit dem „an sich wertfreien“ Wort „angestaubt“ oder „kolonialistisch“, ja seit der Nazi-Zeit „rassistisch“ verbunden werden. Das tat die Direktorin jetzt bei einer Pressekonferenz kund, um den neuen Namen, Museum Fünf Kontinente (wir berichteten), publik zu machen. Darunter kann sich das Publikum allerdings auch nichts Genaues vorstellen, zumal es keinen erklärenden Untertitel gibt.

Wichtig war Kron, wie es scheint, vor allem, ihre Kunst-Kultur-Soziologie-Institution anders zu positionieren: „in München, Bayern und Deutschland“. Damit hat sie natürlich Recht, denn das Ex-Völkerkundemuseum ist im Bewusstsein zu wenig verankert – obwohl es imposante Schätze bietet. Und obendrein einen wunderbaren Charme hat. „Wir suchen den Wandel hin zur Öffnung“, betont deswegen Kron, die seit 2011 Direktorin ist. Vor allem Familien und Kinder will sie verstärkt ansprechen. „Öffnung“ bedeutet für sie zugleich Respekt gegenüber Kulturen auf der ganzen Welt. Mit ihnen möchte man „einen Dialog auf Augenhöhe“ führen. Praktisch heißt das: Kuratoren und Künstler des jeweiligen Landes werden bei diversen Projekten einbezogen, wie etwa Thinn Thinn Aye bei der kommenden Schau „Myanmar – Von Pagoden, Longyis und Nat-Geistern“ (ab 19. September).

Die Völkerkunde bleibt also erhalten, und wir erfahren in diesem Museum mehr und tieferes Wissen, als wir es als Touristen bekommen könnten. Auf ihrem Weg will Christine Kron weitergehen und den Prozess, in dem sich das Museum zurzeit befindet, auch nicht einfrieren. Das bedeutet, außerdem „gesellschaftsrelevante Themen“ in den Zivilisationen heute wahrzunehmen. Das können Umweltgefahren, das kann die Lage der Frau sein. So zeigt das Museum Fünf Kontinente die erschütternde Präsentation „Un/Sichtbar – Frauen Überleben Säure“ (bis 11. Januar 2015; wir berichteten) über Asiatinnen und Afrikanerinnen, die schwer verletzt und verstümmelt ihr Selbstbewusstsein finden.

Angst, dass die Menschen wegen des anderen Namens nicht mehr in ihr Museum finden, hat Kron nicht: „Der Taxifahrer neulich wusste es sofort“, lacht sie und meint, alle Namens-Kombinationen mit „Weltkulturen“ seien „zu oft besetzt und überstrapaziert“.

Simone Dattenberger

Informationen:

geöffnet Di.–So. 9.30–17.30 Uhr, Maximilianstraße 42, Karte regulär: 8 Euro; Telefon 089/ 210 136 100.

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