Völkerrecht verletzt

- Kurz vor Eröffnung des rekonstruierten Bernsteinzimmers hat der Politologe Waldemar Ritter mit Blick auf das Völkerrecht schnellere Fortschritte bei der Rückgabe geraubter deutscher Kunst von Russland gefordert. "Wenn es so weitergeht wie bisher, ist eine Schnecke eher in Berlin als unsere Kulturgüter wieder in Deutschland", kritisierte Ritter. Die Rückführung von rund 4,6 Millionen Büchern, 174 000 Archiv-Stücken und mehr als einer Million Kunstobjekten werde noch lange dauern.

Die russische Entscheidung, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland geraubten Kunstwerke zum russischen Eigentum zu erklären, hält Ritter nach wie vor für völkerrechtswidrig. Der russische Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder hätten im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg den "Primat des Völkerrechts" betont.<BR><BR>Der Schlüssel für die Rückführung der "Beutekunst" liege in Moskau, so Ritter. Russland scheine noch nicht die Kraft zu haben, seine Verpflichtungen einzuhalten. Der Politologe hofft, dass Putin und sein Kulturminister Schwydkoi nach den russischen Parlamentswahlen im Dezember ein Gesetz einbringen, das dem Völkerrecht, den deutsch-russischen Verträgen und der russischen Verfassung entspreche.<BR><BR>Waldemar Ritter trug mit einer Privatinitiative entscheidend zur Rekonstruktion des "Bernsteinzimmers" bei, das am 13. Mai in St. Petersburg zunächst von den Kulturministern vorgestellt und am 31. Mai von Putin und Schröder eröffnet wird. Ritter war 25 Jahre für die innerdeutschen Kulturangelegenheiten verantwortlich und Koordinator des Bundes für die Rückführung kriegsbedingt verlagerter Kulturgüter.<BR><BR>Das Bernsteinzimmer, das der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. im Jahr 1716 dem Zaren Peter I. schenkte, war 1941 von deutschen Wehrmachtssoldaten aus einem Schloss bei St. Petersburg geraubt und nach Königsberg gebracht worden. In den Wirren der letzten Kriegsmonate verschwand es.

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