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Vier Djangos beim Wirt: (v. l.) Flo Starflinger (Violine, Gesang), Jan-Philipp Wiesmann (Schlagzeug), Michael Fenzl (Gesang, Kontrabass) und Kamil Müller (Gesang, Gitarre). Das Bild entstand im „Gasthof zur Mauth“ in Staudach-Egerndach im Kreis Traunstein, nachdem der Stammtisch vertrieben wurde.

Die Volksmusik-Strizzis aus dem Chiemgau

Sie machen Gypsy-Pop auf Bairisch, sie kommen aus dem Chiemgau und sie sind eine Schau. Bei den vier Burschen von Django 3000 herrscht akute Hitgefahr. Jetzt touren die Volksmusik-Strizzis mit ihrer ersten Platte durch Bayern.

Die Burschen sind eine Frechheit. Sie tragen Hornbrillen, viel Bart und Siegelringe, manchmal auch Lederjacke. Sie nennen sich musikalische Streuner. Die vier Wuidn. Oder gleich die „bayerischen Zigeuner“. Noch nicht einmal ein gescheites Hochdeutsch können sie sprechen. Lediglich Bairisch. Sie mischen Gypsy-Pop und Balkan-Beats mit bairischen Texten. Himmelherrgott, braucht’s so was?

Antwort: Ja, genau so was braucht’s. Django 3000 könnte das neue große bayerische Ding des Jahres 2012 werden. Geht man auf ein Konzert der vier modernen Volksmusik-Strizzis aus dem Chiemgau, dann will man augenblicklich hüpfen, tanzen, schwitzen und vor Freude sein Bierglas schwenken.

Hören Sie selbst - So klingt Heidi

Alles begann vor ein paar Monaten, als Django 3000 ihr erstes Lied ins Internet stellten. Es heißt „Heidi“ und handelt von einem boarischen Super-Deandl, das allen Burschen den Kopf verdreht. „Summa is, wenn’d Heidi kimmt und de Leit zum Danzn bringt“ heißt es in dem Lied. Und: „Leg Osch danzd de, Harrschaftszeidn! Hods di oamoi in da Reissn, lossts di nimma aus.“

Auf Youtube wurde es schon knapp 150 000 Mal angeklickt. Daraufhin ist auch eine Plattenfirma auf die vier Chiemsee-Djangos aufmerksam geworden. Seit ein paar Tagen gibt es nun ihre Erstlingsplatte zu kaufen, eine Tour durch Bayern hat gerade begonnen. „Dass es so abgeht, konnte man nicht wissen“, sagt Florian Rupert Starflinger, 31, aus Staudach-Egerndach, zuständig für Gesang und Violine. „Wir hatten einen märchenhaften Start.“ Benannt hat sich die Band in Anlehnung an Gypsy-Ikone Django Reinhardt, aber auch nach Django, dem einsamen Rächer aus zahllosen Italo-Western. Die Zahl 3000 haben die vier Musiker bei einem Getränkemarkt geklaut. Jan-Philipp Wiesmann am Schlagzeug kommt ursprünglich aus Stuttgart – und dort in der Gegend gibt es einen Laden mit dem fantastischen Namen „Heinrich’s Super Getränkemarkt 3000“. „Das ist offenbar der innovativste Getränkemarkt der Welt“, sagt Flo Starflinger. Da wollte die Anarcho-Balkan-Gypsy-Bavarian-Gute-Laune-Band in nichts nachstehen. Die Zahl 3000 musste einfach in den Namen.

Eine Selbstbeschreibung ist ja immer so eine Sache, aber die von Django 3000 ist einfach zu gut, um sie zu verschweigen: „Eine Mischung aus Tierpark-Toni und dem jungen, dem ganz jungen Monaco Franze: musikalische Stenze, chronisch abenteuerlustig durchs Leben strawanzend, ein Spatzl hier, ein Spatzl da. Unstet, nicht ganz ungefährlich, garantiert verrückt.“ Das ist es, das Django-Rezept. Der bayerische Gypsy-Frühling kann beginnen.

Die nächsten Konzerte

9. März in Traunstein (Café-Lounge Festung); 13. März in München (Ampere); 15. März in Gelting (Hinterhalt); 16. Mai in Bad Tölz (Gasthaus Tölz); 19. Mai in Freising (Uferlos Festival); 21. Juli in Rosenheim (Sommerfestival); 28. Juli in Starnberg (Seebühne). Das Debüt von Django 3000 heißt: „Django 3000“ (Seven Days Music).

Stefan Sessler

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