Stückl präsentiert Vorschau

Volkstheater-Spielplan: Weil’s wurscht ist

München - Soll noch einer sagen, das Theater setze keine klaren Zeichen. Zum Beispiel gegen die vegetarische Mode. Zur Vorschau auf den neuen Spielplan des Volkstheaters wurde jedenfalls Saftiges aufgetischt.

Statt der üblichen Butterbrezen gab’s diesmal leibhaftige Wurstsemmeln für die versammelte Presse, als der Intendant des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl, seine Pläne für die nun beginnende Spielzeit 2015/16 vorstellte. Und als besonderer Gast war sogar ein echter Großmetzger aus dem Schlachthofviertel anwesend. Denn dorthin, in die Zenettistraße, hatte Stückl die Pressekonferenz verlegt – direkt neben die leere Fläche des ehemaligen Viehhofs, wo 2020 das neue Volkstheater stehen soll. So hat es zumindest der Münchner Stadtrat beschlossen.

Mit dem Ort der Pressekonferenz und der dargebotenen Extrawurst wolle sich das Volkstheater schon einmal „diesem Viertel annähern“, erklärte Stückl: „Die Stadt München baut sich ein neues Theater, des find i herausragend und wunderbar.“ Auch Kulturreferent Hans-Georg Küppers war des Lobes voll für die „mutige Entscheidung des Stadtrats“ – und für den Intendanten. Der sei ein „Wunderwuzzi“, wie man (angeblich) in Österreich einen Tausendsassa nenne. Nicht nur, weil das Volkstheater zu 84 Prozent ausgelastet sei (und die aktuelle Inszenierung von „Nathan der Weise“ sogar zu 100 Prozent), sondern auch, weil ein Drittel der Besucher des Hauses Schüler und Studenten sind, was es in fast keinem anderen Theater gibt.

Aber auch im Team des Volkstheaters dominiert weiter der Nachwuchs: Mit dem neuen Dramaturgen David von Westphalen, dem Hausregisseur Abdullah Kenan Karaca sowie den Schauspielern Paul Behren, Carolin Hartmann, Moritz Kienemann, Luise Kinner und Jonathan Müller, die neu ins Ensemble kommen. Ein klares – und diesmal ernsthaftes – Zeichen setzte Stückl aber nicht nur in Sachen Wurst, sondern auch zu aktuellen politischen Fragen. Genauer: gegen die Pegida-Marschierer, die derzeit immer montags auf Höhe des Volkstheaters in der Brienner Straße demonstrieren. „Wenn deutsche Fahnen gegen andere erhoben werden, kann i auf de Fahnen scheißen“, erregte sich Stückl. Aber natürlich sei das Theater „nicht fähig, auf die Realität da draußen“ im Sinne einer direkten Einwirkung zu reagieren. „Wir können das höchstens streifen“, meinte der Intendant.

Erfreulicher, weil im besten Sinne dramatisch, wird’s hingegen immer dann, wenn Stückl zu erzählen beginnt. Etwa von seinem vergangenen Trip nach Indien. Dort besuchte er den Regisseur Sankar Venkateswaran (er wird 2016 im Volkstheater inszenieren) mitten im Dschungel, wo der in seiner Heimat berühmte Inder „Fitzcarraldo“-mäßig ein Theater baut. „Auf dem Weg dahin mussten wir sogar einmal umkehren, weil uns eine Elefantenherde entgegenkam“, so Stückl. „Das Navi hat sich verabschiedet, und bei einem Pass hieß es, man solle nicht anhalten, weil da Tiger auf Leute lauern, die zum Biesln aussteigen.“

Da ist man dann fast froh, dass es hierzulande weniger abenteuerlich zu-, und bloß metaphorisch um die Wurst geht: Die Annäherung an den künftigen Standort des Volkstheaters betreibt diesmal nämlich auch das neue Spielzeitheft „Volksmund“ unter dem Motto „Ein Stückl Wurst“. Aus diesem Heft erfährt man beispielsweise auch, dass Christian Stückl schon als Kind in Oberammergau einschlägige fleischliche Erfahrungen machte: Er hat dort immer mit seinem Vater Pressack zubereitet – allerdings eher widerwillig. Aber heute ist ihm das natürlich längst wurscht.

Alexander Altmann

Die Premieren der kommenden Saison

„Sein oder Nichtsein“ von Nick Whitby nach dem Film von Ernst Lubitsch am 24.9.2015 (Regie: Mina Salehpour),

„Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab am 25.10.2015 (Abdullah Kenan Karaca),

„Das Handbuch für den Neustart der Welt“ nach einem postapokalyptischen Ratgeber von Lewis Dartnell am 27.11.2015 (Jessica Glause),

„Schuld und Sühne“ nach dem Roman von Fjodor Dostojewski“ im Dezember (Christian Stückl),

„Die Odyssee“ nach Homer am 21.1.2016 (Simon Solberg),

„Katzelmacher“ nach dem Film von Rainer Werner Fassbinder im März 2016 (Abdullah Kenan Karaca),

„Dämonen“ von Lars Norén am 16.4.2016 (Nicolas Charaux), eine Inszenierung von Nora Abdel Maksoud im April 2016,

„Für immer ganz oben“, Musiktheater nach einer Kurzgeschichte von David Foster Wallace im Müllerschen Volksbad am 1.6.16 (Abdullah Kenan Karaca), eine Inszenierung von Sankar Venkateswaran im Juni 2016.

Nähere Informationen

zu den weiteren orstellungen und zum Kartenvorverkauf unter www.muenchner-volkstheater.de.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Metallischer und düsterer“: Emil-Bulls-Sänger im Interview
Emil Bulls haben sich mit einem neuen Album zurückgemeldet. Am Samstag tritt das Quintett im Backstage auf. Im Interview spricht Sänger Christoph von Freydorf über die …
„Metallischer und düsterer“: Emil-Bulls-Sänger im Interview
Mahnmal für Georg Elser: Die Geschichte hinter dem Grafitto
Das große Graffito an der Bayerstraße ist ein echter Hingucker - und viel mehr als nur Wandmalerei. Im Making-Of-Video erzählen Loomit und Won von ihrem Verhältnis zu …
Mahnmal für Georg Elser: Die Geschichte hinter dem Grafitto
Yello in der Olympiahalle: Elektro mit Herz, Hirn und Humor
Das runde Leder hat den runden Loops keine Chance gelassen. In der Olympiahalle verliefen sich am Dienstagabend ungefähr 2000 Fans der Schweizer Elektro-Pioniere …
Yello in der Olympiahalle: Elektro mit Herz, Hirn und Humor
Andreas Beck wird wohl Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels
Das Auswahlverfahren in München ist offenkundig abgeschlossen, am Theater Basel hat Andreas Beck bereits seinen Rückzug bekannt gegeben: Alles deutet darauf hin, dass er …
Andreas Beck wird wohl Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels

Kommentare