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"Volle Deckung, Mr. Bush!"

- New York - Rauschender Beifall, was sonst? Michael Moore kommt nach Deutschland und Österreich, um seine neue Kampfsatire gegen "George von Arabien" alias Präsident Bush in großen Sälen einem Massenpublikum vorzustellen. Das Ausmaß der Begeisterung ist so vorhersagbar wie die Mittagstemperatur am Äquator.

<P>In seinem eigenen Land stimmen zwar viele nicht mit der Weltsicht des linken Filmemachers und Autoren überein - sonst wäre George W. wohl kaum Präsident geworden. Doch anderseits eroberte Moores "Dude, Where's My Country?" umgehend die US-Bestsellerlisten.</P><P>Für die deutsche Ausgabe, die Mitte November unter dem Titel "Volle Deckung, Mr. Bush!" erscheint, hat der Piper Verlag (München) eine Werbekampagne aufgezogen, als gelte es, von deutsch-österreichischem Boden aus die nächste US-Wahl zu gewinnen. Moores einwöchige Lesetour beginnt am 15. November in der Berliner Columbiahalle, führt unter anderem nach Wien und Frankfurt. Hinzu kommen etliche Interviews für Zeitungen, Magazine und Fernsehsender.</P><P>Nötig erscheint der Rummel nicht. Seit "Stupid White Men" sei Moore bei den Deutschen so populär wie einst John F. Kennedy, schrieb das US-Magazin "Publishers Weekly". Dieses Buch verkaufte sich in Deutschland besser als in Amerika - fast 1,1 Millionen Mal innerhalb der ersten zwölf Monate. In den USA, wo fast dreieinhalb Mal mehr Menschen leben, fand es im ersten Jahr 630 000 Käufer.</P><P>Dabei spielte eine Rolle, dass Moore seine Anti-Bush-Polemik vor den Terroranschlägen am 11. September 2001 geschrieben hatte und dass sie in den USA ganz kurz danach eher verschämt in die Regale gestellt wurde. In Deutschland hingegen erschien "Stupid White Men" erst im Herbst 2002. Da ärgerten sich bereits viele über die Arroganz, mit der Washington Gegner des sich abzeichnenden Irak-Krieges behandelte.</P><P>Nun also der Nachschlag, Moores Abrechnung mit Bush-Amerika seit dem 11. September. Der Titel der US-Ausgabe zeigt Moore wie er George W. vom Sockel eines Denkmals zieht. Man kennt die Szene aus Bagdad mit Saddam Hussein am Strick. Nur ein Regimewechsel in Washington, argumentiert Moore mit den Mitteln des Kabaretts, könne den Untergang der amerikanischen Demokratie noch aufhalten, den Bush und seine "Konzern-Kumpel" unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung vorantrieben.</P><P>In Deutschland mag Moore vielen wie der letzte aufrechte Amerikaner erscheinen. Wer kennt hier schon Al Franken, Molly Ivens, Lou Dubose oder Joe Conason? Deren kritische Bücher, schrieb die "New York Times", seien genauer recherchiert und teils lustiger als das von Moore, der sich hingegen im Showgeschäft besser auskenne.</P><P>Die liberale deutsch-jüdische Wochenzeitung "Aufbau", die in New York erscheint, nannte Moore einen "Krisengewinnler". Aus der Unsicherheit seiner Landsleute ziehe er ebenso Profit, wie aus der Antipathie gegen Bush in Deutschland. Stutzig macht auch, dass Moore in dem Buch und bei seiner gegenwärtigen Tour durch 33 US-Städte unverblühmt Wahlkampf für die Demokratische Partei betreibt.</P><P>Als "Dude, Where's My Country?" erschien - übrigens beim Konzern Time Warner - gab es einen wohlorganisierten Medienrummel. Beim Sender CNN, der zu Time Warner gehört, holte selbst der eher konservative Moderator Lou Dobbs den Autor in seine Sendung "Money Line". Zum Abschied sagte er: "Mr. Moore, ich stimme selten mit Ihren Ansichten überein, aber es ist immer ein Vergnügen, sich damit auseinander zu setzen."</P>

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