Roger Moore ist tot: James-Bond-Darsteller an Krebs gestorben 

Roger Moore ist tot: James-Bond-Darsteller an Krebs gestorben 

Voller Freude an der imponierenden Partitur

München - Herbert Blomstedt und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielen Bruckners Siebte im Münchner Herkulessaal. Lesen Sie hier die Kritik:

Es riecht nach Klischee. Aber vielleicht ist an der Rentengrenze für die Bescheidenen unter den Pultmännern wirklich eine Tür. Wer die durchschreitet, der muss bei Bruckner sich und anderen nichts mehr beweisen. Der lässt sich nicht von jedem Crescendo aus der Fassung bringen. Der erfreut sich mit Musikern und Publikum an der imponierenden Partitur, ohne in Hysterie oder Inszenierungswut zu verfallen.

Herbert Blomstedt, 84, ist noch einige Schritte weiter. Umsicht, Souveränität, Eleganz, Sinn für natürliche Theatralik, auch fürs Volkstümliche und Tänzerische dieser Musik, die Liebe zum Detail, das wie selbstverständlich eingebettet wird ins große Ganze: All das sprach aus seiner Deutung von Bruckners Siebter beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Der Herkulessaal, gewiss, ist zu klein für den Koloss. Aber wie Blomstedt Bruckners Ballungen auseinandernahm, ohne sie zu entschärfen, wie er den Blechbläsersatz strukturierte, wie er die Kommunikation im Orchester verdeutlichte, das wirkte auch hier.

Immer wieder wurde das Geschehen ins Piano, in die Entspannung zurückgeholt. Blomstedt hielt die Tempi enorm flexibel. Ein sich stufenlos wandelndes, organisches, nie zementiertes Ereignis war diese Siebte. Das Adagio, sehr langsam, war stets sacht durchpulst, sein Höhepunkt ein gelassener Triumph. Und dem Finale gab Blomstedt so viel Gewicht, dass es gegen die anderen Sätze bestand.

Mehr als eine Ergänzung: Karl Amadeus Hartmanns „Concerto funebre“ vor der Pause, von Thomas Zehetmair in Fahlfarben getaucht, mit risikoreichem Ton an der Grenze zum Unhörbaren und zum Geräusch gespielt. Keine Tränenarbeit wurde da verrichtet, sondern eine großartige Partitur in aller Bescheidenheit nachvollzogen. Mehr als alle Interpretation zählte aber anderes: das starke Einverständnis des Orchesters mit Blomstedts Vorgaben. Die kleinsten Zeichen des großen Alten wurden zu einer selbst hier selten erlebten Geschlossenheit umgesetzt. Da kann jeder Chefdirigent eifersüchtig werden.

Markus Thiel

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
Franz Ferdinand, Feist und Judith Holofernes sind nur drei Acts, die beim diesjährigen „Summer‘s Tale“ auftreten. Unter Musik-Kennern längst bekannt, ist das Festival …
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
Der König ist tot, es lebe der König! Was Elvis Presley zu Lebzeiten nie schaffte, nämlich ein Konzert in München zu geben, das holte er jetzt nach: die Konzertkritik …
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Zum neunten Mal bietet der Münchner Merkur in Zusammenarbeit mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ein Konzertabo an. Vier hochkarätig besetzte Abende …
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser

Kommentare