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Sie bringt ihren Vater zum Nachdenken: Die elfjährige Cleo (Elle Fanning) offenbart in „Somewhere“ die Sinnkrise im Leben des Hollywood-Schauspielers.

„Von der ersten Szene an verzaubert“

Venedig - Sofia Coppola triumphiert mit ihrem Werk „Somewhere“ beim Internationalen Filmfestival von Venedig. Tom Tykwer geht leer aus.

Die Preise

Goldener Löwe für den besten Film: „Somewhere“ von Sofia Coppola (USA)

Silberner Löwe für die beste Regie: Álex de la Iglesia für „Balada triste de trompeta“ (Spanien-Frankreich)

Spezialpreis der Jury: „Essential Killing“ von Jerzy Skolimowski (Polen)

„Coppa Volpi“ für den besten Schauspieler: Vincent Gallo in „Essential Killing“ von Jerzy Skolimowski (Polen)

„Coppa Volpi“ für die beste Schauspielerin: Ariane Labed in „Attenberg“ von Athina Rachel Tsangari (Griechenland)

Spezial-Löwe für das Gesamtwerk: Monte Hellman (USA)

Verlorenheit, innere Leere und Einsamkeit scheinen die Lieblingsthemen der US-Regisseurin Sofia Coppola zu sein. Schon in „Lost in Translation“ ließ sie Scarlett Johansson verloren durch Tokio streifen. Auch in ihrem neuen Werk „Somewhere“ geht die 39-jährige Tochter des „Pate“-Regisseurs Francis Ford Coppola diesen Gefühlen nach und überzeugte damit die Jury beim Internationalen Filmfestival in Venedig: Coppola gewann am Samstag den Hauptpreis des ältesten Filmfests der Welt, den Goldenen Löwen.

Der Deutsche Tom Tykwer ging mit seinem Opus „Drei“ dagegen leer aus. In „Somewhere“ erzählt Coppola von der Sinnkrise im Leben des Hollywoodschauspielers Johnny Marco. Der ist zwar beruflich sehr erfolgreich, fährt ein schnelles Auto und kriegt zahlreiche Frauen ab – doch glücklich ist er trotzdem nicht. Das offenbart sich, als seine eigentlich bei der Mutter lebende, elfjährige Tochter Cleo (Elle Fanning) für einige Zeit zu ihm stößt.

Die Leere in Johnnys Leben ist nicht mehr zu überspielen, sie schmerzt und lähmt. Diesen einsamen Mann verkörpert Schauspieler Stephen Dorff hervorragend und lässt allein durch Blicke seine Traurigkeit spürbar werden. „Somewhere“ erinnert dabei in mehrfacher Hinsicht an „Lost in Translation“, gibt es hier doch ebenfalls das Leben in Hotelzimmern, das Gefühl von Verlorenheit inmitten vieler Menschen. Dennoch hat das Werk nicht ganz die Größe von „Lost in Translation“ und spaltete beim Festival auch das Publikum.

Während die einen die Atmosphäre des Films lobten, kritisierten andere die Ähnlichkeiten zu „Lost in Translation“ und „Marie Antoinette“ sowie die erzählerische Langsamkeit. Die siebenköpfige Jury des Filmfestes störte das aber offensichtlich nicht. Man habe sich einhellig für „Somewhere“ entschieden, erklärte Jury-Präsident Quentin Tarantino. „Dieser Film hat uns von der ersten Szene an verzaubert, ist zu einer Passion geworden.“ Für etwas Klatsch sorgen könnte die Entscheidung trotzdem: Der 47-jährige Regisseur und seine Kollegin sollen vor einigen Jahren eine Affäre gehabt haben. Wie auch immer, mit dem Preis setzte sich Oscar-Preisträgerin Coppola gegen 23 Konkurrenten durch. Zuletzt hatte 2001 eine Frau den Hauptpreis gewonnen: Mira Nair für „Monsoon Wedding“.

Außerdem holte Coppola mit ihrem Sieg einen weiteren Löwen in die Familie – ihr Vater hatte 1992 einen Goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhalten. Mit den weiteren Preisen zeichnete die Jury vor allem politische Filme aus. Der Spanier Álex de la Iglesia erhielt für „Balada triste de trompeta“ den Silbernen Löwen für die beste Regie und einen Preis fürs beste Drehbuch. Eingebettet in das Leben in einem Zirkus und vor dem Hintergrund der Franco-Diktatur erzählt der Regisseur auf grotesk-überdrehte Weise die Geschichte vom traurigen Clown Javier.

Der muss im Laufe seines Lebens einiges erleiden, Verluste und Erniedrigungen. Doch dann läuft er Amok, unter anderem gegen Führer der Franco-Diktatur, und wird so zu einer Art Freiheitskämpfer. Auch der Film „Essential Killing“ des Polen Jerzy Skolimowski gewann zwei Preise: den Spezialpreis der Jury und die Auszeichnung für den besten Darsteller. Der Amerikaner Vincent Gallo war von vielen als heißer Favorit gehandelt worden.

Gallo spielte Mohammed, einen Mann aus Afghanistan, der vom US-Militär gefangen genommen und nach Europa transportiert werden soll. Er entkommt und flieht durch verschneite Wälder. Um zu überleben, muss er immer wieder töten. Warum er von den Amerikanern überhaupt gefangen und gefoltert wurde, bleibt dabei unklar. Und damit auch, ob er erst durch die Umstände zum Killer wurde. Bezeichnend ist dabei, dass der Film am Jahrestag des 11. September ausgezeichnet wurde.

von Aliki Nassoufis

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