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Die Rückseite: Erich Heckels Werk „Zimmer mit Akten“ entdeckt der Betrachter, wenn er sein berühmtes Gemälde „Der Waldteich“ umdreht.

„Von der Lust am Gesehenen“

Buchheim Museum zeigt „Unbekannte Schätze“

Bernried - Das Buchheim Museum zeigt „Unbekannte Schätze“ aus der Sammlung. Hier erfahren Sie, was dort zu sehen ist. 

„Der Waldteich“, jenes berühmte Gemälde der Freizügigkeit von 1910, steht kopf, die Akte baden also nicht mehr. Sondern sie bewegen sich jetzt nackt im Wohnatelier, leuchtend orangerot. Vor grüner und gelber Wand, südliche Lebensfreude versprühend. Was ist passiert mit Erich Heckels (1883-1970) Bild, einem der Flaggschiffe der Brücke-Künstler? Man hat die nicht minder explosive Rückseite des Bildes entdeckt. Damit aber nicht genug. Neben solchen Geheimnissen hat das Buchheim Museum auch noch die Skizzenbücher von Ernst Ludwig Kirchner hervorgezaubert. Das ist neben der fulminanten Holzstöcke-Ausstellung (wir berichteten) nun die stillere Seite der Richtungsänderung in Bernrieder Buchheim Museum, die da heißt: Forschungsarbeit leisten, Unentdecktes finden und Einblicke in die Schaffensprozesse geben.

In Quietschrosa lässt Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) seine lässig Badenden 1913 spielen: Bisher sah man nur ein Stillleben mit Maske vorne. Warum man die Rückseiten auch bemalte, ist unklar. Klar ist nur, dass sie nun „Von der sinnlichen Lust am Gesehenen“ erzählt, wie die Kuratorin Clelia Segieth die unbekannten Schätze aus der Buchheim’schen Expressionistensammlung betitelt.

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Dazu gehören auch Kirchners Skizzenbuchblätter, die der Sammler nur ganz selten besonderen Gästen zeigte und nie ausstellte. Man versteht auch, warum: Die fragilen Seiten, zeichnerisch eine Delikatesse, stammen aus dem Konvolut um Lise Gujer, die als Weberin von Kirchners Bildteppichen mitwirkte. 1970/71 konnte Lothar Günther Buchheim die Blätter erwerben. Das ist der unmittelbarste Zugang zu Kirchner, der ständig skizzierte und 180 Notizbücher mit über 11 000 Zeichnungen hinterließ.

Segieth hat sich nicht nur in die zwei Bernrieder Mappen verliebt, „weil hier mit wenigen Strichen so viel ausgesagt wird“, sondern sie hat erste Datierungen und Zuordnungen des Rohdiamants vorgenommen.

Zwischen den frühen Berliner und späten Davoser Jahren Ernst Ludwig Kirchners wirbelt ein schnell und zielsicher hingeworfener Themenreigen: Freiheit, Tanz, Bewegung, Akrobatik sind die prägenden Motive. „Altes Ballhaus sehr interessant, Weiber nicht sehr raffiniert“, stellt Kirchner trocken auf einer Postkarte dazu fest. Obwohl die Verlagerung der Kokottenszenen aus den ab 1850 verbotenen Freudenhäusern auf die Straße durchaus für Zündstoff und Skizzenmaterial sorgte.

Manche der fulminanten Zeichnungen – wie der „Schleudertanz“ mit weit hochwehendem Kleid – wurden später zu Holzschnitten, manche Skizzenblätter wurden Vorlagen für große Gemälde wie die Berliner Straßenszenen oder weisen sich selbst schon als farbige Bilder aus. Nur mit dem Unterschied, dass das erst der Anfang einer großen Entwicklung ist.

Bis 7. Oktober,

Di.-So. 10 - 18 Uhr; Katalog: 8,90 Euro; Telefon 08158/ 99 700.

Von Freia Oliv

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