Vorbeigeschrammt

- Helene und George Butler haben auch den letzten ihrer drei Söhne ins College verfrachtet. "Endlich allein" heißt das Stück von Lawrence Roman in der Komödie im Bayerischen Hof. Er (Günther Schramm) schickt sie (Monika Peitsch) in den Schönheitssalon, breitet die Zebradecke aus und entzündet das "präparierte Kaminholz, das stundenlang brennt".

Die Butlers schwelgen in Erinnerungen über Filme, die sie "in der Schule in Sexualkunde gesehen haben". Schnell wird aus der frustrierten Mutter wieder das "Bienchen", das sich über die "Blume" beugt. Doch der Hausfrauentraum währt nicht lange: Schon kommen die verlorenen Söhne zurück - und dazu noch Janie (Iruka Agu), die mit nackter Haut einen Bruderzwist im Hause Butler provoziert. Und das obwohl sie "keusch" lebt, weil das "in" und "megageil" ist.<BR><BR>Bühnenbildner Rolf Doerr hat ein Wohnzimmer Marke "amerikanischer Spießertraum" gebaut. Ein Leben im Einrichtungskatalog: weißer Kamin, weiße Treppchen und Geländer, goldenes Telefon und jede Menge Türen, damit die Kinder ordentlich was zum Knallen haben. Sebastian Sash ist Michael, Ältester und an "unlösbaren Problemen" gescheiterter Mathematiker mit Einstein-Poster unterm Arm. Es folgt Markus Bader als Eliot, ein Diet-Coke-Typ mit Pin-up-Postern, von seiner Frau wegen chronischer Untreue rausgeschmissen.<BR><BR>Regisseur Thomas Stroux bedient die Klischees und Plattitüden des Textes mit einer plakativen und unmotivierten Bildsprache: Kein Gag ist neu, keine Geste individuell. Soap Opera auf der Bühne. Allerlei Einsichten ("Boah, Mutter sein ist voll krass"), hysterische Anfälle ("Die Muttermaschine ist am Ende") und bittere Erkenntnisse ("Die 70er-Jahre sind an allem schuld") später sind alle Kinder wieder weg. Die Butlers widmen sich ihren Reiseplänen, der Vorhang fällt. Endlich vorbei. <BR>

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