Ein Vorfahre Hollywoods

- Er war Sohn des aus Homburg nach München zugewanderten Lithografen Ferdinand Piloty. Dessen Betrieb musste er als 18-Jähriger übernehmen, als der Vater starb. Doch 1847 zog es Carl Theodor von Piloty (1826-86) zurück an die Kunstakademie, wo er als 14-Jähriger begonnen hatte. 1848 heimste er Erfolge als Porträtist in Leipzig, Dresden und Frankfurt ein, zwei Jahre später erhielt er in München seinen ersten öffentlichen Auftrag: Für die Historische Galerie des von Maximilian II. gegründeten Instituts für Hochbegabte, im Maximilianeum, vollendete er 1854 das Großformat der "Gründung der katholischen Liga durch Herzog Maximilian I. von Bayern".

<P>Monumentale Gemälde und hauchzarte Blätter</P><P>Jetzt hielt dieser restaurierte Historien-Erstling des 1860 geadelten Piloty vorübergehend Einzug in einen der "Gigantensäle" der Neuen Pinakothek, zusammen mit der "Eroberung Jerusalems durch Gottfried von Bouillon" (1862) und "Wallensteins Zug nach Eger" (um 1861/62) aus einer Privatsammlung in New Orleans. Gern hätten die Urheber dieser Aufarbeitungsaufgabe - 15 Teilnehmer eines Promotionslehrgangs an Frank Büttners Lehrstuhl für Bayerische Kunstgeschichte - auch Pilotys Gemälde "Unter der Arena" (1882) aus einem australischen Museum geholt (am Eingang ist es zu sehen in einem Atelier-Großfoto). Doch das wäre angesichts des Krieges im Nahen Osten zu riskant und zu teuer geworden.<BR>Im Entree kann eine große Ölskizze zur monumentalen "Geschichte Münchens" bewundert werden, die Piloty 1875-79 für das Münchner Rathaus malte: mit der allegorischen Figur einer "Monachia", die ihren Siegerkranz hoch hält, mit 128 namentlich aufgelisteten, durchweg porträtierten Personen - von einem Fräulein von Schneeweiss und einer Gräfin Seyssel d'Aix bis zu anderen Wohltätern. Dieses Streitobjekt des Stadtrats soll im Sommer 2004 wieder seinen Platz im Rathaussaal erhalten: als restaurierter Appell an die lebenden und künftigen Volksvertreter.<BR><BR>Wem das Staunen vor der raffinierten Komposition und den exquisiten Details des rund fünf mal sieben Meter großen Rührstücks "Thusnelda im Triumphzug des Germanicus" nicht genügt, rettet sich in die seitlichen Kabinette mit den fulminanten Ölskizzen, Studien und Zeichnungen. Aus Privatbesitz holten Büttners Eleven des Museums- und Ausstellungswesens so manches hochfeine und hauchzarte Blatt. Ganz einfach: Sie schauten ins Telefonbuch und recherchierten bei den Nachkommen. Aus dem Berliner Kupferstichkabinett kamen die geschummert nuancierten, im Helldunkel akzentuierten, in den Tiefen der Schatten und in den Bewegungsmomenten bestens konzipierten Kompositionsskizzen zum verschollenen Großformat "Der Tod Alexanders des Großen" (1886). Zwei Ölskizzen dazu belegen die personelle Erweiterung der Konzeption.<BR><BR>Der an französischer und belgischer Historienmalerei geschulte Piloty wurde zum bedeutendsten deutschen Meister seines Fachs. Erste Großaufträge erhielt er, damit er nicht aus der Kunststadt der Wittelsbacher abwandere nach Berlin. Aus der Schule Pilotys - seit 1858 lehrte er an der Akademie - gingen nicht nur Makart und Lenbach hervor, sondern auch Wilhelm Leibl und mancher Realist einer neuen Ära.<BR><BR>Erst die Moderne stellte jegliche Inhaltlichkeit in Frage. Das "Wie" siegte über das "Was". Der Malerei Pilotys entspricht noch heute die Schaulust der Oper. Seine Nachfolge traten Hollywoods Historienfilme an. Auskunft darüber gibt ein umfangreiches Begleitprogramm: Filme, Vorträge, Führungen und ein Liederabend.</P><P>Bis 27. Juli, Katalog 36 Euro, Tel. 089/238 05-195<BR> </P>

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