Marlis Petersen, Christof Fischesser und Samantha Hankey
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Der neue „Rosenkavalier“ soll nach dem Willen der Bayerischen Staatsoper die erste Vorstellung vor Publikum sein. Der Termin dafür ist noch offen, eventuell wäre das schon der 23. März – hier eine Szene mit (v.li.) Marlis Petersen, Christof Fischesser und Samantha Hankey.

Ministerpräsident Markus Söder diskutierte mit Intendanten über Öffnungen

Vorhang auf für Schnelltests: Bayerns Theater starten unter Vorbehalt

  • Michael Schleicher
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Schon ab 22. März könnte in Bayerns Theatern wieder gespielt werden. Voraussetzung ist ein Schnelltest aller Beteiligten. Und das ist derzeit noch ein Problem.

  • Nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Söder wurde den Intendanten signalisiert: Sie können ab 22. März wieder den Vorhang hochgehen lassen.
  • Wer die Schnelltests bezahlt und wer sie zur Verfügung stellt, das ist vielerorts noch offen.
  • Das Volkstheater will am 26. März „Macbeth“ herausbringen, die Staatsoper plant den „Rosenkavalier“ vor Live-Publikum.

Wann hebt sich in Bayerns Theatern und Opernhäusern wieder der Vorhang? Und welche Bedingungen müssen die Häuser und ihr Publikum vor einer Vorstellung erfüllen? Darum ging es am Donnerstagvormittag in einer Videokonferenz, in der Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit Vertretern der Stadt- und Staatstheater, aber auch der freien Szene diskutierte. Mehr als eine Stunde dauerte die Schalte – am Ende gab es kein Ergebnis, sondern: Fragen.

Wie von Teilnehmern der Runde zu erfahren war, fokussierte sich die Debatte vor allem auf die Teststrategie. Wie berichtet, darf bei einem Inzidenzwert zwischen 50 und 100 gespielt werden – sofern Gäste und Mitwirkende ein tagesaktuelles negatives Testergebnis vorweisen können. Eine Bescheinigung muss beispielsweise von einem Testzentrum oder einer Arztpraxis stammen. Ob Ende März Tests in ausreichender Menge vorhanden sein werden, ob sie vom Publikum bezahlt werden müssen und wie das Prozedere vor den bayerischen Schauspielhäusern und Musiktheatern aussehen könnte, wenn diese selbst Tests anbieten: All das ist vielerorts noch offen.

Die Regierung gibt den Häusern die Eigenverantwortung zurück

Dabei will die Politik den Kulturtempeln Eigenverantwortung zurückgeben: Jedes Haus darf mit seinem eigenen Hygienekonzept arbeiten, das von der zuständigen Gesundheitsbehörde genehmigt werden muss. Bei den Theatern wird das als „großer Vorteil“ gesehen, wie es aus deren Umfeld heißt.

Das Münchner Volkstheater hat die Wiederaufnahme des Spielbetriebs für 26. März mit einer „Macbeth“-Premiere angekündigt. Die städtische Bühne bietet vor jeder Vorstellung die Möglichkeit, sich direkt im Haus kostenlos selbst zu testen. „Wenn Sie dies in Anspruch nehmen wollen, können Sie vor der Vorstellung ab 17 Uhr und spätestens eine Stunde vor der Aufführung ins Theater kommen und erhalten bei Vorlage ihres Tickets einen Selbsttest“, teilte das Volkstheater am Donnerstag mit. Die ebenfalls städtische Schauburg startet bereits am 22. März mit der deutschen Erstaufführung von Nelly Winterhalders „Ich hab noch nie“ – vor maximal 25 Menschen im Saal. Bei der Kartenreservierung müssen die Gäste angeben, ob sie am Vorstellungstag ein aktuelles negatives Testergebnis vorweisen wollen (als schriftliche Bestätigung von Arzt, Apotheke, Teststation, der Corona-Warn-App oder als Foto vom Teststreifen mit Uhrzeit und Datum) oder ob sie im Theater einen kostenlosen Selbsttest durchführen möchten.

Staatsoper entscheidet kommende Woche über Neustart

Das Bayerische Staatsschauspiel hofft ebenfalls, dass der Vorhang in der letzten Märzwoche wieder hochgeht. Spätestens jedoch ab 1. April – sofern die Inzidenz in München dann nicht die 100er-Marke gerissen hat. Denn die Sorge vor der britischen Mutante hat in der gestrigen Runde den Ministerpräsidenten ebenso umgetrieben wie die Theaterleute.

Auch an der Bayerischen Staatsoper müssen noch viele Fragen geklärt werden, bis ein Spielplan festgelegt werden kann. Wie Sprecher Christoph Koch erläutert, betreffe das ebenfalls die Frage der Schnelltests, aber auch die Anzahl der zu verkaufenden Plätze. Was allerdings feststeht: Der neue „Rosenkavalier“ kommt zunächst nur als Online-Premiere heraus, und zwar wie vorgesehen am 21. März. Dies hängt laut Koch damit zusammen, dass derzeit für eine Übertragung in Internet und Fernsehen geprobt wird. Für eine Vorstellung vor Publikum seien Extra-Proben notwendig. In der kommenden Woche will die Staatsoper über den Neustart des Spielbetriebs entscheiden. Auch wenn es ab 22. März wieder losgehen sollte, müssen Wagner-Fans auf die ursprünglich geplante Wiederaufnahme des „Parsifal“ verzichten. Hierfür hätten die Proben längst beginnen müssen, zudem sind an der Produktion eine ganze Reihe von Gästen beteiligt. „Eine Sache haben wir uns aber fest vorgenommen“, sagt Koch. „Die erste Vorstellung vor Publikum wird ein ,Rosenkavalier‘ sein.“ Und dies könnte bereits die Zweitaufführung am 23. März sein.

Berliner Pilotprojekt mit Corona-Tests

Derweil startet in Berlin Mitte März ein Pilotprojekt. Dabei wird das Publikum vor den Vorstellungen auf Corona getestet. Neben den Philharmonikern, der Volksbühne und der Staatsoper Unter den Linden ist etwa auch die Clubcommission, wie sich der Verband der Clubbetreiber in der Hauptstadt nennt, mit einem Konzert dabei. Geplant sind neun Veranstaltungen bis Anfang April. „So ein Pilot ist in Deutschland einzigartig – und hoffentlich ein Beitrag mit Blick auf ein unbeschwertes Besuchen von Kulturveranstaltungen“, teilte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) mit. Das Publikum muss am Veranstaltungstag zu einem Corona-Test und soll während der Vorstellung einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Den Auftakt macht das Berliner Ensemble am 19. März mit der Inszenierung „Panikherz“. Um an dem Projekt teilzunehmen, können Interessierte aus Berlin und Brandenburg im Vorverkauf ein personalisiertes Ticket erwerben. Die Erkenntnisse der Untersuchung würden gemeinsam ausgewertet und anderen Institutionen zur Verfügung gestellt, teilte die Senatskulturverwaltung mit.

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