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Vorlesen, kuscheln und plaudern: Die ersten wunderbaren Begegnungen mit dem Buch erzeugen bei Kindern nicht nur Liebe zum Lesen, sondern helfen ihnen in vielen Lebensbereichen.

Vorlesen – vor allem Buben profitieren

München - Eine Deutsche Studie mit 500 Kindern und Jugendlichen beweist, wie wichtig das Vorlesen Erfahrung für die Entwicklung ist.

Vorlesen – das bedeutet nichts anderes, als dass ein vertrauter Mensch beim kuscheligen Miteinander eine Geschichte erzählt. Kein Wunder also, dass sich dadurch eine emotional höchst angenehme Bindung zum Lesen entwickelt. Und die ist obendrein nützlich: Vorlesen trägt einer Studie zufolge zu einer positiven Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in vielfältigen Bereichen bei. Kinder, denen vorgelesen wird, profitieren davon nicht nur in ihrem Leseverhalten, sondern sind erfolgreicher in der Schule und gestalten ihre Freizeit aktiver als Kinder, denen nicht vorgelesen wird, wie aus einer jetzt in Berlin vorgestellten Studie der Stiftung Lesen hervorgeht. Für die Studie anlässlich des bundesweiten Vorlesetages am 18. November wurden 500 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 19 Jahren befragt.

In Fächern wie Deutsch und Mathematik erzielten Vorlese-Kinder demnach um bis zu 0,4 Punkte bessere Noten, sagte die Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen, Simone Ehmig. Besonders deutlich zeige sich das bei Kindern aus Elternhäusern mit geringer Bildung. Das zumeist höhere Bildungsniveau in Familien, in denen vorgelesen werde, habe darum auf diesen Effekt keinen Einfluss, folgerte Ehmig. Die Studie stellt zudem einen Zusammenhang zwischen Vorlesen und den Freizeitaktivitäten der Kinder und Jugendlichen her. 66 Prozent der Kinder, denen vorgelesen wurde, gaben demnach an, gerne Sport zu treiben, elf Prozentpunkte mehr als bei den Kindern, denen nicht vorgelesen wurde. „Aus Lesern werden keine Stubenhocker“, meinte deshalb der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg Maas. Auch in diesem Bereich sei der positive Effekt des Vorlesens in bildungsfernen Familien besonders groß. Vorlese-Kinder spielen der Studie zufolge auch häufiger ein Instrument als Kinder, denen die Eltern nicht vorlesen. Studienleiterin Ehmig räumte jedoch ein: „Mit dem Vorlesen hängen auch andere Dinge zusammen.“

Weniger überraschend sind die Studienergebnisse in Bezug auf das Leseverhalten der Kinder. Vorlese-Kinder hatten zu 54 Prozent Freude daran, selbst Bücher zu lesen. Bei den Kindern, die nicht vom Vorlesen profitierten, sagten das lediglich 38 Prozent. Kinder, in deren Familien vorgelesen wurde, empfanden das Selbstlesen zudem als weniger anstrengend. Besonders stark vom Vorlesen profitieren laut Ehmig Buben, die ohnehin deutlich weniger schmökerten als Mädchen. Der Anteil der Jungen, denen Bücherlesen Spaß macht, liegt bei jenen, denen vorgelesen wurde, um 20 Prozentpunkte höher als bei den anderen. Bei den Mädchen beträgt der Unterschied demnach nur neun Prozentpunkte. Der positive Effekt des Vorlesens wirke nicht nur „für den Moment“, sondern setze sich in der weiteren Entwicklung der Jugendlichen fort, betonte Ehmig. Der sogenannte Leseknick in der Pubertät, wo die Lust am Lesen häufig schwinde, schwäche sich deutlich ab, wenn Kindern frühzeitig vorgelesen werde.

Hörbücher und Hörspiele können das Vorlesen nicht ersetzen, denn: „Vorlesen erzeugt Geborgenheit“, erläuterte Ehmig.

Tatjana Schäfer

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